Stand: 07.02.2018 11:30 Uhr

Film über dramatische Kinder-Besessenheit

Dinky Sinky
, Regie: Mareille Klein
Vorgestellt von Hartwig Tegeler

"Wer keine Kinder bekommt, ist egoistisch", sagte einmal Papst Franziskus. Und wenn man keine Kinder bekommt, könnte ein Sozialpolitiker hinzufügen, dann haben wir in 30 Jahren nicht genügend Arbeitskräfte, um in die Rentenkasse einzuzahlen. Die 36-jährige Sportlehrerin in Mareille Kleins Spielfilmdebüt "Dinky Sinky" tut alles, um etwas dagegen zu tun. Ein Film, der beschreibt, was passiert, wenn der Kinderwunsch da ist, aber Biologie und anderes streiken.

Seit geraumer Zeit schon versuchen Tobias (Till Firit) und Frida ein Kind zu bekommen - Szene aus dem Film "Dinky Sinky" © Koryphäen Film

Filmtrailer: "Dinky Sinky"

Mareille Kleins Film "Dinky Sinky" vermittelt einen Eindruck davon, wie Kinderlosigkeit zum Stigma werden kann. Katrin Röver spielt die verhinderte Mutter wunderbar überzeugend.

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Wenn die biologische Uhr tickt

Es ist gut verpackt, das vierbeinige Präsent mit dem Hamster und es stellt sich die Frage, ob Hartmut wirklich eine gute Idee hatte mit diesem Geschenk. Oder ist es nicht vielmehr so, dass Fridas Partner mit dem Hamster einen "vor-finalen" Kontrapunkt setzen wollte, angesichts von Fridas obsessivem Kinderwunsch?

Die 36-jährige Sportlehrerin will Hartmuts versteckte Drohungen nicht hören. Also kommt von ihm erst die Verweigerung des Geschlechtsaktes mitten in den fruchtbaren Tagen und dann der Wunsch, einfach mal eine Nacht für sich zu haben.

Kinder-Besessenheit ist wohl das zu nennen, was Frida lebt und mit dem sie andere, vor allem Hartmut eben, malträtiert. Die biologische Uhr. Rund um Frida herum Kinder-Geburtstage und die Frage, der sie immer wieder ausgesetzt ist: "Und du?" Der Frauenarzt vermutet, wahrscheinlich hakt es an irgendeiner Stelle.

Der eine Haken, also Hartmut, macht sich davon. Der andere mag in Fridas Uterus liegen. Aber das große Problem, das ist vor allem der Druck, unter dem Frauen Mitte bis Ende 30 stehen, die sich fragen: Wie sieht meine Zukunft ohne Kinder aus?

Tragik und Komik liegen eng beieinander

Aber der Film ist keiner für den Mädels-Abend. Eindrucksvoll, wie präzise, fast dokumentarisch "Dinky Sinky" etwas von unserer Gesellschaft und unserer Zeit erzählt in einem Film, in dem das Tragische und das Komische sehr eng beieinander liegen.

"Dinky" meint "double income no kids yet", also "doppeltes Einkommen, kinderlos, im Moment". Das war, bevor Hartmut sich davon gemacht hat. Nun ist Frieda "sinky" - "single income no kids yet". Irgendwann klaut sie ihrer Mutter die EC-Karte, um nach Holland zu fahren zur künstlichen Befruchtung. Ein Versuch, der aber auch in die Hose geht. Frida, wie gesagt, schon 36, ist übrigens Kinderwagenspezialistin, perfekte Beraterin für ihre Freundin, die tatsächlich "guter Hoffnung" ist.

Wunderbar, wie selbstverständlich, wie natürlich Katrin Röver - eine Entdeckung - diese Frida spielt. Sie ist übrigens nicht unbedingt sympathisch; ihre Zwanghaftigkeit stößt ihren Mitmenschen böse auf.

Aber die Regisseurin Mareille Klein verrät ihre Figur nie, stellt sie einfach nur in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit dar. Überzeugend, wie dieser Film einen Eindruck davon vermittelt, wie Kinderlosigkeit zum Stigma werden kann.

Dinky Sinky

Genre:
Tragikomödie
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Katrin Röver, Till Firit, Michael Wittenborn
Regie:
Mareille Klein
Länge:
95 min
FSK:
FSK ohne Altersbeschränkung
Kinostart:
8. Februar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 07.02.2018 | 06:40 Uhr

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