Stand: 29.01.2016 19:43 Uhr

Flüchtlingsfrauen: Die Angst vor Gewalt bleibt

Ihm passte nicht, wie sie sich anzieht. Er wollte nicht, dass sie arbeitet, obwohl sie ein abgeschlossenes Studium hat. Er schlägt sie, tritt sie - und das in der Öffentlichkeit, um sie zu demütigen. Rasha B., eine Frau Ende 20, floh aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa vor allem vor der Gewalt und der Unterdrückung durch ihren Bruder nach Deutschland. Sie hatte sich schon von der Kultur in ihrem Land abgewendet - wegen des dort vorherrschenden Rollenbilds. "Dass Frauen weniger wert sind als Männer, wollte nicht in meinen Kopf", sagte sie. In Deutschland legt sie das Kopftuch ab. Doch als sie in der Erstaufnahme in Neumünster ankommt, ist es für sie noch nicht vorbei.

Polizei holt Rasha aus der Einrichtung

Ein Junge berichtet ihr von Drohungen. "Die Männer aus dem Jemen sagen, wenn du deinen Kopf nicht bedeckst und du nicht zum Islam zurückkehrst und vor ihren Augen betest, dann schneiden sie dir den Kopf ab und töten dich." Rasha ruft die Polizei. Beamte holen sie aus der Einrichtung raus. Auch in der nächsten Unterkunft auf Sylt erlebt sie Gewalt. Sie wird nicht mehr bedroht, erlebt aber - wie schon in Neumünster - weinende Flüchtlingsfrauen, die von ihren Männern geschlagen wurden.

Getrennte Unterbringung für Frauen und Familien gefordert

Wegen solcher Vorfälle wünschen sich viele Gleichstellungsbeauftragte und Flüchtlingshelfer einen besseren Schutz für Frauen in den Unterkünften. In dieser Woche diskutierten 130 Teilnehmer über dieses Thema auf einer Fachtagung. Frauenbeauftragte fordern, dass alleinreisende Männer getrennt von Frauen und Familien untergebracht werden - und es auf jeden Fall getrennte Sanitäreinrichtungen für beide Geschlechter gibt. "Dass sind Sachen, die in der Notsituation nicht an erster Stelle standen", sagt Elke Sasse, die Gleichstellungsbeauftragte von Lübeck. "Für uns ist es wichtig, dass jetzt der Fokus auf die weiblichen Flüchtlinge und ihre speziellen Bedarfe gelenkt wird."

Asylpaket: Besserer Schutz von Frauen offenbar kein Thema mehr

Laut einem Bericht des "Spiegel" wollte auch das Bundesfamilienministerium durchsetzen, dass Frauen in Einrichtungen besser geschützt werden. Doch eine entsprechende Übereinkunft schaffte es nicht ins Asylpaket II, auf das sich die Koalitionsfraktionen in Berlin geeinigt haben.

"Männer, die hier leben wollen, müssen Regeln akzeptieren"

Rasha B. ist überzeugt, dass Frauen, die hierher kommen, besondere Hilfe brauchen. Ohne das Wissen über ihre Menschenrechte, könnten sie nicht erkennen, dass ihnen Unrecht angetan wird. "Die meisten nehmen Gewalt einfach hin, weil es in ihrer Heimat akzeptiert wird", sagt Rasha. "Männer, die hier leben wollen, müssen die Sitten und Kultur, Gesetze und Regeln akzeptieren und annehmen, was von ihnen als zukünftige Bürger Deutschlands erwartet wird", fordert Rasha und fügt an: "Sie sollten so früh wie möglich damit anfangen."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.01.2016 | 19:30 Uhr