Stand: 24.02.2017 15:33 Uhr

Friesenbrücke: Missverständnis im Funkverkehr

Seit dem 3. Dezember 2015 ist die Friesenbrücke bei Weener (Landkreis Leer) zerstört. An diesem Tag rammte der Frachter "Emsmoon" die geschlossene Klappbrücke. Verletzt wurde niemand. Jetzt, etwa 14 Monate später, steht die Ursache für den Unfall fest. Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Demnach gab es ein Missverständnis im Funkverkehr zwischen dem Lotsen und dem Brückenwärter.

Lotse dachte, die Brücke sei geöffnet

In dem 100-seitigen Bericht haben die Experten versucht, ein minutengenaues Protokoll der Geschehnisse anzulegen. Grundlage sind die Aussagen der Beteiligten. Eigentlich sollte erst ein Zug über die Brücke fahren. Danach sollte sie für die "Emsmoon" geöffnet werden. Der Zug hatte jedoch Verspätung. Deshalb war eine neue Absprache zwischen Brückenwärter und dem Lotsen auf dem Frachter notwendig. Hierbei kam es offenbar zu dem Missverständnis. Der Lotse dachte, die Brücke sei geöffnet, so die Experten, und habe die Geschwindigkeit nicht gedrosselt. Dann aber habe der Brückenwärter die "Emsmoon" überraschend aufgefordert abzustoppen, da die Brücke geschlossen sei. Da war der Frachter noch anderthalb Schiffslängen entfernt. Es sei jedoch nicht mehr gelungen, den Zusammenstoß zu verhindern.

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Der 100-seitige Untersuchungsbericht

Im Dezember 2015 kollidierte das Frachtschiff "Emsmoon" mit der Eisenbahnbrücke bei Weener. Der Untersuchungsbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung nennt die Ursache. extern

Brücke in der Dunkelheit nicht erkennbar

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung bemängelt in ihrem Bericht außerdem, dass es keine klaren Regeln für die Kommunikation zwischen Schiffen und Brückenwärter gebe. Außerdem sei die Klappbrücke in der Dunkelheit nicht zu erkennen gewesen. Die Leucht-Signale der Friesenbrücke seien durch die Strahler, die die Fundamente beleuchten, und die hellen Lichter einer im Hintergrund gelegenen Fabrik nicht sichtbar gewesen.

Dienstrechtliche Konsequenzen noch unklar

Sanktionen kann die Bundesstelle nicht verhängen. Das Amtsgericht Leer hatte einen Strafbefehl gegen den Kapitän und den Lotsen abgelehnt und auch schon von einem Missverständnis gesprochen. Ob es dienstrechtliche Konsequenzen gibt, muss nun abschließend das Seeamt in Hamburg entscheiden. Das Seegericht hat den Kapitän und den Lotsen für Ende April vorgeladen. Schlimmstenfalls könnten Fahrverbote drohen. Das allerdings gilt als unwahrscheinlich. Ob die Friesenbrücke repariert oder neugebaut wird, will die Bahn Mitte März entscheiden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.02.2017 | 12:00 Uhr

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