Stand: 13.07.2016 17:32 Uhr

NPD-Abgeordneter räumt NSU-"Dankesgruß" ein

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Der Schweriner NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit soll laut Staatsanwaltschaft frühzeitig Kontakt zum NSU gehabt haben. (Archivbild)

Der Schweriner NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit hat eingeräumt, in einer Neonazi-Postille schon im Jahr 2002 einen "Dank an den NSU" verfasst zu haben. Petereit war am Mittwoch als Zeuge im NSU-Prozess in München geladen. Auf die Frage von Richter Manfred Götzl, ob er die Danksagung in dem Szene-Magazin "Der weiße Wolf" verfasst habe, sagte Petereit: "Ich gehe davon aus, ja." An die genauen Umstände wollte er sich aber nicht erinnern können. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er vom Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Geld erhalten hat. Petereit hat bislang immer bestritten, dass es zwischen dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) und ihm Verbindungen gab.

Danksagung im "Weißen Wolf"

Allerdings hatte das rechte Szene-Magazin "Der weiße Wolf" bereits 2002 einen Gruß an den NSU abgedruckt: "Vielen Dank an den NSU - es hat Früchte getragen. Der Kampf geht weiter." Petereit erklärte vor dem Münchener Oberlandesgericht, in dem die Zuschauertribüne zu zwei Dritteln gefüllt war, dass er die entsprechende Ausgabe des "Weißen Wolfs" allein produziert und keine Mitarbeiter gehabt habe. Bislang hatte der NPD-Politiker behauptet, erst später - also nach Abdruck des Grußes an den NSU - das Blatt übernommen zu haben.

Petereit macht Gedächtnislücken geltend

Im weiteren Verlauf der Vernehmung berief sich Petereit mehrfach auf Gedächtnislücken. So erinnere er sich auch nicht an einen Spendenbrief mit beigelegten Geldscheinen, den er vor der Veröffentlichung des betreffenden Hefts erhalten haben soll. Dieser Spendenbrief gilt als erster Hinweis auf die Existenz einer Gruppe namens NSU.

Brief mit Geld bei Durchsuchung gefunden

Der Brief, der das Logo des NSU trägt, war vor vier Jahren bei einer Hausdurchsuchung bei Petereit gefunden worden. In dem Brief sollen sich mehrere Hundert Euro befunden haben. Petereits Vernehmung ist brisant, weil die Behörden 2002 nach eigener Darstellung noch nichts vom NSU als einer Terrorgruppe gewusst haben wollen. Allerdings hatte der V-Mann "Corelli" ein Heft der betreffenden Ausgabe für den Verfassungsschutz besorgt. Zudem soll "Corelli" Petereit Speicherplatz auf seinem Server zur Verfügung gestellt haben.

Auf das Konto des NSU sollen zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde - darunter auch einer in Rostock - gehen. Als Mittäterin ist Beate Zschäpe angeklagt, die mit den beiden mutmaßlichen Todesschützen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt fast 14 Jahre im Untergrund gelebt hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.07.2016 | 16:30 Uhr

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