Stand: 10.03.2017 21:11 Uhr

Kein Funkkontakt zu Flugzeug - AKWs geräumt

Wegen eines fehlenden Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum sind in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mehrere Kernkraftwerke vorübergehend geräumt worden. Wie das Umweltministerium in Hannover mitteilte, war um 10.27 Uhr zunächst in Niedersachsen Voralarm ausgelöst worden, da die Verbindung zu einem Verkehrsflugzeug mit Kurs London abgebrochen war.

Passagierflugzeug am Himmel.

Boeing ohne Funkkontakt - Behörden räumen AKWs

Hallo Niedersachsen -

Nachdem der Funkkontakt zu einer Passagiermaschine abgebrochen war, ließen die Behörden in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mehrere Kernkraftwerke vorübergehend räumen.

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Daraufhin wurden die Kernkraftwerke Grohnde, Lingen und Unterweser kurzzeitig evakuiert. Vier Minuten später erfolgten die entsprechenden Maßnahmen auch in Schleswig-Holstein, was zur Räumung der Anlagen Brunsbüttel und Brokdorf bis auf die Notbesetzungen führte. Im Kernkraftwerk Krümmel mussten Mitarbeiter Schutzräume aufsuchen.

Zwei Militärmaschinen stiegen auf

Schon die tschechische Flugsicherung hatte den Kontakt zu der Maschine eines indischen Flugunternehmens verloren und dies den Kollegen in Deutschland mitgeteilt, erklärte eine Sprecherin der deutschen Flugsicherung. Die Bundeswehr Kalkar ließ daraufhin eine sogenannte Alarmrotte aufsteigen: Zwei Militärflugzeuge, die in der Luft kontrollieren, ob sie eine Ursache für den Kontaktabbruch ausmachen können. Solche Funkausfälle passierten im Jahr über zehn Mal, heißt es von der Flugsicherung.

Voralarm wegen Angst vor Terroranschlag

Nach 22 Minuten konnte wieder eine Verbindung zu dem vorübergehend abtrünnigen Flieger hergestellt werden, teilte das für die Atomaufsicht zuständige Energiewende-Ministerium in Kiel mit. Der Voralarm wurde daraufhin aufgehoben. Es habe sich um einen sogenannten Renegade-Voralarm gehandelt. Renegade-Fälle sind solche, in denen möglicherweise ein Luftfahrzeug aus terroristischen oder anderen Motiven als Waffe verwendet werden könnte. Die vorgesehenen Maßnahmen hätten ordnungsgemäß funktioniert. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) twitterte um 11.34 Uhr: "Lage ist im Griff, Situation unter Kontrolle."

Warum der Funkkontakt unterbrochen war, konnten die Deutsche Flugsicherung und die Luftsicherung nicht sagen. Es könne ein Bedienungsfehler der Besatzung oder eine technische Störung vorgelegen haben. Dies komme immer wieder mal vor.

Demo in Brokdorf aufgelöst

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Mehrere Demonstranten hatten die Einfahrt zum AKW Brokdorf blockiert. Nach Beendigung des Alarms konnten sie den Protest fortsetzen.

In Brokdorf löste die Polizei bei Bekanntwerden der Evakuierungsmaßnahme eine zufällig am selben Tag vor den beiden Einfahrten stattfindende Blockade-Demonstration auf. Die rund 30 Demonstranten hätten langsam ihre Plakate entfernt und sich nach und nach vom Eingangsbereich entfernt. Der Protest wurde nach Beendigung des Alarms fortgesetzt.

Höchstes Schutzniveau in Brokdorf

Die Anlagen Brunsbüttel, Krümmel und Unterweser sind bereits seit längerem stillgelegt und die Werke in Brokdorf und Grohnde derzeit wegen einer Revision heruntergefahren. Gegen Flugzeugabstürze sind die schleswig-holsteinischen Kernkraftwerke - abhängig vom Zeitpunkt ihrer Errichtung - unterschiedlich ausgelegt. "Das Kernkraftwerk Brokdorf als einziges hierzulande noch im Leistungsbetrieb befindliches Kernkraftwerk weist dabei das höchste Schutzniveau auf", teilte das Ministerium mit. "Die Reaktorsicherheitsbehörde hat keine Anhaltspunkte, dass es an einer hinreichenden Sicherung gegen den Absturz von Verkehrsflugzeugen - auch des A380 - fehlen würde." Hinsichtlich großer Verkehrsflugzeuge und den Auswirkungen bei Abstürzen auf Kernkraftwerke laufen nach Angaben des Ministeriums auf Bundesebene Untersuchungen in einer Arbeitsgruppe der Reaktorsicherheitskommission.

Schutz des Luftraums infolge von New-York-Anschlägen

In Deutschland ist 2003 das Nationale Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in der Gemeinde Uedem in Nordrhein-Westfalen eingerichtet worden, um den Luftraum vor solchen Bedrohungen zu schützen. Hintergrund sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 10.03.2017 | 15:15 Uhr

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