Stand: 18.03.2017 08:01 Uhr

"Salām Syria": Musik als Zeichen des Austauschs

von Marcus Stäbler
Extra für das Konzert des Syrian Expat Philharmonic Orchestras in der Elbphilharmonie wurde der syrisch-deutsche Projektchor gegründet.

Musik kann keine Bomben entschärfen oder Kugeln abwehren. Aber sie kann Brücken bauen. Das war am Freitagabend in der Elbphilharmonie zu spüren - besonders deutlich beim Auftritt des Projektchors Salam Syria. 60 junge Erwachsene - jeweils zur Hälfte aus Syrien und aus Hamburg - standen da auf der Bühne, ganz in schwarz gekleidet, und sangen zusammen drei arabische Liebeslieder. In sechsmonatiger gemeinsamer Probenarbeit hat der Chorleiter Jörg Mall die ganz unterschiedlichen Klangvorstellungen behutsam einander angenähert und dabei mit den Hamburgern die zunächst fremden Melodien gelernt und mit den Syrern das mehrstimmige Singen studiert.

Chor wächst zu einer Einheit zusammen

Veranstaltungen

"Salām Syria": Hamburg trifft Syrien

16.03.2017 20:00 Uhr
NDR Bigband

Im Rahmen des Festivals "Salām Syria" in der Elbphilharmonie traf die NDR Bigband auf Solisten der ersten Jazz-Bigband des Nahen Ostens. Mit Wolf Kerschek am Pult und Ibrahim Keivo. mehr

"Natürlich muss man wissen, dass viele mitgesungen haben, die noch nie vorher im Chor gesungen haben", sagt Mall. "Da war ein großes Fragezeichen, wie wir das hinbekommen." Sie haben es blendend hinbekommen. Im Konzert wuchsen die 60 Sängerinnen und Sänger unter Malls Leitung zu einer deutsch-syrischen Einheit zusammen. Ein Gänsehautmoment. "Der Chor ist das beste, was ich bis jetzt in Deutschland gemacht habe", sagt die 21-jährige Studentin Sahar, die 2015 mit ihrem Vater aus Damaskus geflohen ist.

Die Musik bringt ihr und den anderen syrischen Sängern ein Stück Heimat nach Hamburg - und eröffnet den deutschen Choristen eine neue Welt. Gesang verbindet: Dieses Gefühl beseelte nicht nur die Sänger selbst, sondern auch das multinational gemischte Publikum. Der Auftritt des Chores war ein Höhepunkt im Konzert, das die Idee der Begegnung auf mehreren Ebenen ins Zentrum rückte.

Musikstücke selbst haben Austausch zum Thema

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Die Exilmusiker des Syrian Expat Philharmonic Orchestra spielten zusammen mit Hamburger Musikstudenten.

Im Orchester musizierten Mitglieder des Syrian Expat Philharmonic Orchestra gemeinsam mit Studenten der Hamburger Hochschule - und auch die Musik selbst machte den Austausch zum Thema. Besonders schön in einem Stück der syrischen Sängerin und Komponistin Dima Orsho im Andenken an die vergessenen Menschen am Ufer des Eufrat. Orsho verbindet eine westliche Orchesterbesetzung mit arabischen Instrumenten, und vereint ihre Stimme und den Gesang des Altus Kai Wessel zu einem anrührenden Duett.  

Das Finale gehörte Kinan Azmeh, dem Artist in Residence des Festivals. In einer von ihm selbst geschriebenen Suite begeisterte der Klarinettist mit feinem Farbsinn und mitreißendem Temperament. Dabei verwischte er die Grenzen zwischen komponierter und improvisierter Musik und brachte zum Schluss die ausgelassene Stimmung einer syrischen Hochzeitsparty in die Elbphilharmonie: als Zeichen der Hoffnung für alle Syrer, die es in den letzten Jahren geschafft haben, sich trotz der Tragödie in ihrer Heimat zu verlieben. Eine frohe Botschaft am Ende eines Konzerts, nach dem man wieder etwas fester an ein friedliches Miteinander der Menschen glauben möchte.

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"Salam Syria": Abschlusskonzert im Videostream

NDR Kultur

Das Abschlusskonzert des Festivals "Salām Syria" in der Elbphilharmonie ist mit dem Slogan "Syrien und die Welt" überschrieben. Hier können Sie den Abend im Videolivestream verfolgen. mehr

"Salām Syria" zeigt lebendige Kultur Syriens

Der syrische Klarinettist Kinan Azmeh hat das Festival "Salām Syria" in der Elbphilharmonie maßgeblich mitgestaltet. NDR Kultur hat mit ihm über die Musik seiner Heimat gesprochen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 18.03.2017 | 06:40 Uhr

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