Stand: 03.03.2017 13:44 Uhr

Komponistenquartier: Erweiterung geht voran

Das Komponistenquartier in der Neustadt wächst. In der Peterstraße erzählt eine ganze Häuserzeile die Hamburger Musikgeschichte - von Georg Philipp Telemann bis Johannes Brahms. Dort entstehen nun für 600.000 Euro zwei Ausstellungen über das Geschwisterpaar Felix und Fanny Mendelssohn, die in der Nähe des Museums geboren wurden, und über Gustav Mahler, der einige Jahre in Hamburg wirkte.

Für das Projekt werden Wohnungen umgestaltet. Und genau das habe für Probleme gesorgt, berichtet Clemens Toepfer von der Toepfer-Stiftung, der die Häuser gehören und die das KomponistenQuartier zum einem großen Teil finanziert und organisiert. NDR 90,3 hat mit ihm geprochen.

Warum hat sich die Erweiterung so verzögert?

Bild vergrößern
Clemens Toepfer ist Vorsitzender des Stiftungsrats der Carl-Toepfer-Stiftung.

Clemens Toepfer: Bei den Bauanträgen tauchte plötzlich so ein Wort wie "Wohnraumschutzgesetz" auf. Das war auch für uns eine Überraschung, weil wir das KomponistenQuartier als Gesamtkonzept eingereicht hatten und im ersten Abschnitt keine größeren Probleme hatten.

Doch die Flüchtlingskrise und die deshalb besonders angespannte Wohnungssituation in der Stadt haben dazu beigetragen, dass die Umwandlung von Wohnraum in ein Museum gar nicht mehr so einfach ist. Das war eine ziemliche Herausforderung und hat noch mal ein Jahr gedauert.

Was wird in den Museen zu sehen und zu hören sein?

Toepfer: Bei der Familie Mendelssohn, die Hamburg verließ, als die Kinder noch klein waren, geht es um das Portrait einer jüdischen Familie in Hamburg. Wichtig ist auch, dass es ein Museum für eine Komponistin wird, die in ihrer Zeit als Frau gar nicht so zur Geltung kommen konnte. Gustav Mahler wiederum ist sehr viel mit dem Rad durch Hamburg gefahren, und so wird in der Ausstellung auch ein historisches Fahrrad zu sehen sein.

Nach der geplanten Eröffnung im März 2018 wäre das Komponistenquartier komplett - mit bedeutenden Musikern, die hier geboren wurden oder hier wirkten. Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach, Johannes Brahms und Johann Adolf Hasse. Diese Räume gibt es schon. Wer kommt zu Ihnen, um sich das anzuschauen?

Weitere Informationen

Hamburger Komponistenquartier wächst weiter

Das Hamburger Komponistenquartier erinnert derzeit an vier Musiker: Brahms, Telemann, Carl-Philipp Emanuel Bach und Johann-Adolf Hasse. 2017 sollen zwei weitere hinzukommen. mehr

Toepfer: Es sind vor allem Touristen - sehr viele Asiaten, vor allem Japaner, die das alte Europa erleben wollen. Da ist dann Brahms ein wichtiger Orientierungspunkt. Wir merken aber durchaus, dass wir nicht nur mit dem Brahms-Museum, sondern mittlerweile auch mit unserem Komponistenquartier in den neuen Reiseführern auftauchen.

Uns besuchen zwar auch immer wieder Schulklassen, allerdings würden wir uns wünschen, dass auch noch mehr Hamburgerinnen und Hamburger zu uns kommen. Wir hatten im ersten Teil des Museums schon mehr als 10.000 Besucher und rechnen damit, dass die Zahlen mit den Museen für Mendelssohn und Mahler noch einmal deutlich steigen. Wir sind aber mit der Bilanz bisher sehr zufrieden.

Der Umbau zu den Museen kostet 600.000 Euro. Wer bezahlt das?

Toepfer: Gemeinsam mit der Kulturbehörde und auch beispielsweise der Reemtsma-Stiftung und der Simon Clausen Stiftung übernehmen wir einen Großteil der Kosten. Aber wir sind immer noch auf der Suche nach Partnern und Spendern, die uns bei den Baukosten helfen. Denn wir von der Toepfer-Stiftung unterstützen ja vor allem den laufenden Museumsbetrieb. Das waren im vergangenen Jahr allein 100.000 Euro. Der Stiftungszweck ist eigentlich der Erhalt der Häuser in der Peterstraße. Das dürfen wir nicht vergessen und unsere Rücklagen nicht alle für das Museumsprojekt aufbrauchen. Deshalb hoffen wir vor allem bei den Baukosten auf Mitstreiter.

Das Interview führte Daniel Kaiser, NDR 90,3.

Weitere Informationen
mit Audio

Johannes Brahms - Der Berufene

Deutsches Requiem, Ungarische Tänze und vier Sinfonien: Die Werke von Johannes Brahms sind weltberühmt. Vor 180 Jahren wurde der Komponist in Hamburg geboren. mehr

mit Video

Telemann, der barocke Multitasker

Er war Geschäftsmann, Verleger und komponierte Tausende von Musikstücken: Georg Philipp Telemann. Als einer der wenigen Künstler seiner Zeit konnte er von seinem Schaffen gut leben. mehr

Carl Philipp Emanuel - Der "Hamburger Bach"

Zwei Jahrzehnte prägte Johann Sebastian Bachs Sohn als Musikdirektor das kulturelle Leben Hamburgs. Vor 300 Jahren wurde der im Michel beigesetzte Barock-Komponist geboren. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 03.03.2017 | 19:00 Uhr

Mehr Kultur

28:29 min

Ricky und seine verrückten Freunde

31.05.2017 00:00 Uhr
NDR Fernsehen
111:29 min
01:28 min

Ausstellung: Ein Kieler auf dem Zarenthron

27.05.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin