Stand: 18.05.2017 16:24 Uhr

Andreas Mühe: Pathos als Augenschmaus

von Kerry Rügemer

Der Fotograf Andreas Mühe ist vor allem mit Porträtaufnahmen von Angela Merkel bekannt geworden. Jetzt zeigt das Haus der Photographie in den Deichtorhallen erstmals eine große Werkschau mit den Arbeiten des deutschen Fotografen: "Pathos als Distanz".

Es ist richtig aufregend, den Raum zu betreten: Die Rügener Kreidefelsen im Sonnenaufgang, wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich. Fast daneben hängen ausgeweidete Rehe und Wildschweine in einem weiß gekachelten Kühlraum von der Decke. Das Resultat einer erfolgreichen Jagd.

Fotografie von Andreas Mühe: Ein Mann von der Seite, einmal mit, einmal ohne Uniform.

Das düstere Deutschlandbild des Andreas Mühe

Kulturjournal -

Mal mit, mal ohne Uniform. Nackt, aber in immer derselben Haltung. In "Pathos als Distanz" zeichnet der Fotograf Andreas Mühe ein düsteres Bild von Deutschland.

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Ein angeflämmter Hochsitz zum Beobachten

"Jagd" ist auch der Titel eines der Werkzyklen von Andreas Mühe. Mitten in dem großen Ausstellungsraum steht tatsächlich auch ein hölzerner Hochsitz, den man erklimmen kann. Der Hochsitz ist mit Feuer schwarz angeflämmt worden und riecht nach Rauch. Wer von hier aus durch die enge Sehleiste guckt, blickt auf drei große Waldbilder. Eine kleine Gruppe Wanderer pirscht mal in einer Reihe durch die Landschaft, mal scheint sie sich hinter einem Busch zu verstecken. Oder ist das nur die Perspektive des Betrachters?

Geradezu traumhaft ist das Bild "Gespensterwald". Ein satter Vollmond schimmert nachts durch schlanke Baumstämme und erhellt die ganze Szene geradezu mystisch. Plötzlich sieht man, wie auf vielen Landschaftsbildern, einen nackten Mann von ferne in dem Bild.

Plötzlich: eine Pornoszene

In drei Reihen übereinander, dicht an dicht, hängen die über fünf Meter hohen Wände voll - wirklich voll - mit Andreas Mühes großformatigen Bildern. Durch drei Gänge, die wie Adern vom großen Raum hinwegführen, gelangt man in drei Kabinette, in denen in deutlich intimeren Rahmen Arbeiten aus drei Werkkomplexen gezeigt werden. Dort hängt auch das Foto von Dreharbeiten einer Pornoszene mit zwei Frauen. Dieses Bild sticht deutlich hervor. "Es ist der totale Bruch", gibt Mühe zu: "Ich liebe es, wenn die Leute vorbeigehen und weggucken und irgendwo zwischen dem eigenen Wunsch und der Peinlichkeit berührt werden."

Andreas Mühe und seine realen Kunstwerke

Grandios und überwältigend

Videos
02:17 min

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Andreas Mühes Fotos sind inszeniert wie ein aufwendiges Bühnenbild und erzählen ganze Geschichten. Seine neue Ausstellung zeigt Deutschland "aus den Augen eines Künstlers". Video (02:17 min)

Andreas Mühe inszeniert seine Fotos wie Bühnenbilder. Er setzt Menschen und Landschaften theatralisch in Szene und arrangiert sie sorgfältig. Und er spielt mit Illusionen. Ob in den Bildern seines Obersalzbergzyklus oder denen mit der Kanzlerin. Denn ist das wirklich Angela Merkel, die man von hinten sitzend in einer Limousine in die Landschaft blicken sieht?

Andreas Mühe ist ein außergewöhnlicher und begnadeter Fotograf. Seine hier gezeigten Bilder - übrigens alle analog mit einer Großbildkamera gemacht - sind ein Augenschmaus. Und dass die Fotos hier so eng und thematisch vermeintlich ungeordnet hängen, das ist einfach grandios und überwältigend.

Andreas Mühe: Pathos als Augenschmaus

Andreas Mühe ist ein begnadeter Fotograf. In den Hamburger Deichtorhallen hängen seine Werke in drei Reihen übereinander. Zu sehen sind Jagd- und Pornoszenen - und auch die Kanzlerin.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Deichtorhallen
Deichtorstraße 1+2
20095  Hamburg
Preis:
Erwachsene: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: frei. Dienstagskarte (ab 16 Uhr): 5 Euro.
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr, jeden ersten Donnerstag im Monat 11 - 21 Uhr (außer an Feiertagen).
Hinweis:
Öffentliche Führungen
Samstags und sonntags sowie an den gesetzlichen Feiertagen um 15 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr.
Im Eintritt der Ausstellung inbegriffen.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 18.05.2017 | 19:00 Uhr

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