Stand: 26.05.2014 08:00 Uhr

Tatort Hamburg: 200 Jahre Polizeigeschichten

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Die Nachtwächter waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Vorgänger der heutigen Polizisten.

Die französische Besatzung Hamburgs war gerade beendet, es drohten Aufstände - deshalb wurde am 26. Mai 1814 zur "Erhaltung der inneren Ruhe" in der Stadt die Polizeibehörde mit Sitz am Neuen Wall gegründet. Säbel und Wappenknöpfe waren damals noch die Erkennungszeichen der "Polizey-Beamten", denn damals trugen sie noch keine Uniform. Die Polizeibehörde, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Jubiläum feiert, hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. In den Anfängen umfasste sie - unter der Leitung eines Polizeiherrn - nur einen Oberpolizeivogt, vier Polizeibeamte und einige Schreiber und Diener. Nachts sollten Nachtwächter für Ordnung sorgen. Sie hatten allerdings nicht den besten Ruf, weil sie öfters mal einschliefen - schließlich waren sie tagsüber schon einem anderen Beruf nachgegangen.

Spektakuläre Fälle und Einsätze der Polizei

Polizei auf Katastrophen noch nicht vorbereitet

Die Handelsstadt Hamburg wuchs rasant, und mit ihr die Kriminalitätsrate. Der Große Brand 1842 - damals fielen große Teile der Altstadt den Flammen zum Opfer - machte deutlich, dass die Polizei auf solche Katastrophen nicht vorbereitet war. Bei Organisation und Ausrüstung musste daher immer wieder nachgebessert werden.

1876 wird "Criminalpolizei" gegründet

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Nach preußischem Vorbild trugen die Polizeioffiziere früher eine militärische Uniform samt Pickelhaube.

In der Kaiserzeit stieg dann auch der Grad der Professionalisierung: 1876 wurde - neben der Hafenpolizei und dem berittenen "Constablercorps" - auch eine "Criminalpolizei" ins Leben gerufen, um Verbrechen aufzuklären. Nach der Cholera-Epidemie 1892, bei der Tausende Hamburger starben, wurde eine "Schutzmannschaft" gegründet. Die Polizeioffiziere bekamen eine militärische Uniform nach dem Vorbild der preußischen Polizei - samt Helm, im Volksmund "Pickelhaube" genannt.

Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde 1914 die heute weltberühmte Davidwache an der Reeperbahn gebaut. Auch in der Weimarer Republik blieb die Polizei stark militärisch ausgerichtet. In den Nachwehen der Novemberrevolution brachen 1919 die sogenannten Sülze-Unruhen aus: Nachdem das Gerücht kursierte, es seien verfaulte Tierkadaver in Sülze verarbeitet worden, stürmte eine aufgebrachte Menge mehrere Tage lang einige Fleischfabriken.

18 Tote bei "Altonaer Blutsonntag"

Kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es beim "Altonaer Blutsonntag" am 17. Juli 1932 nach einem Marsch von 7.000 SA-Anhängern durch Altona zu Schießereien, bei denen 18 Menschen starben. Die meisten von ihnen wurden durch Polizeikugeln getötet.

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Im Zweiten Weltkrieg war das Reserve-Polizei-Bataillon 101 aus Hamburg aktiv am Holocaust und der Ermordung unzähliger Menschen beteiligt. Nur wenige Polizisten wurden Jahre später verurteilt, viele arbeiteten unbehelligt weiter bei der Hamburger Polizei. Am 26. Mai 1945 - genau 131 Jahre nach der Gründung der Polizei - wurde Bruno Georges als Polizeichef eingesetzt. Der Platz, an dem heute das Polizeipräsidium residiert, ist nach dem Sozialdemokraten benannt. Erstmals gab es nun auch eine weibliche Schutzpolizei - Kriminalbeamtinnen waren dagegen schon seit 1927 im Dienst.

Nach Sturmflut-Katastrophe wird Innenbehörde gegründet

Bei der verheerenden Sturmflut 1962 mit Hunderten Toten waren die Einsatzkräfte mit der Katastrophe überfordert. Als Konsequenz wurde auf Initiative des damaligen Polizeisenators Helmut Schmidt (SPD) die Hamburger Innenbehörde gegründet, in der seither Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz zusammengefasst sind.

In den 1960er-Jahren beschäftigten dann auch die Studentenbewegung und die Proteste gegen den Axel-Springer-Verlag die Beamten. "Für die Polizei war das völliges Neuland", erzählt Ernst Auch, der das neue Hamburger Polizeimuseum leitet. Die Beamten hätten sich eigens Arbeitshelme von der Werft Blohm + Voss leihen müssen, um sich zu schützen.

Hafenstraße und "Hamburger Kessel" sorgen für Schlagzeilen

Die Ermittlungen rund um die Rote Armee Fraktion (RAF) und der Kampf um die besetzten Häuser in der Hamburger Hafenstraße prägten die 1970er- und 1980er-Jahre. 1986 sorgte der "Hamburger Kessel" für Schlagzeilen: Beamte schlossen mehr als 800 Anti-AKW-Demonstranten auf dem Heiligengeistfeld ein und hielten sie bis zu 13 Stunden lang fest. In den 1990er-Jahren gab es einen weiteren Polizeiskandal, als Misshandlungen und Übergriffe von Beamten auch auf Ausländer sogar zum Rücktritt des damaligen Innensenators Werner Hackmann (SPD) führten.

Hamburg nach Terroranschlägen international im Blickpunkt

Kurz nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA stand Hamburg im Visier der Fahnder - und international im Blickpunkt. Das FBI ermittelte wegen der sogenannten Hamburger Zelle um Mohammed Atta in der Hansestadt.

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Seit 2010 gibt es wieder eine Reiterstaffel. Sie sicherte beispielswiese im September 2010 den Weg der HSV-Fans zum Millerntor-Stadion.

Ende 2004 führte Hamburg als erstes Bundesland die blaue Uniform ein, die heute fast bundesweit Standard ist. Seit 2010 hat die Hansestadt auch wieder eine Reiterstaffel. Hamburg hatte die berittene Polizei 1975 abgeschafft, um Geld zu sparen. Heute hat die Hamburger Polizei knapp 10.000 Mitarbeiter - davon sind rund 6.300 bei der Schutz-, gut 1.600 bei der Kriminal- und rund 400 bei der Wasserschutzpolizei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 26.05.2014 | 19:30 Uhr

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