Stand: 24.03.2017 11:26 Uhr

Tag der Poesie: Ihr Heimatgedicht

Am 21. März ist der "Welttag der Poesie", von der UNESCO ausgerufen, um die Lyrik zu feiern. Die Dichtkunst, betont die UNESCO, sei auch im Zeitalter des Internets und der Globalisierung ein immens wichtiger Teil unseres kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.

Wir haben Sie aufgerufen, selbst aktiv und ein paar Zeilen auf Ihre Heimat zu dichten. Eine Auswahl der Zusendungen veröffentlichen wir hier auf dieser Seite.

Ihre Gedichte:

  • Preetz ade! (von J. Brunkhorst, Norderstedt)

    Bunter Markt und stille Gassen,
    eine kleine, feine Welt -
    Preetz, ade, ich muss dich lassen,
    muss hinaus aufs freie Feld!

    Schwalbenkinder lernten Fliegen
    haschen überm Lanker See,

    Gössel sich von Wellen wiegen -
    muss dich lassen, Preetz, ade!

    Lustig schallt der Lärm herüber
    aus der Schule, aus der Stadt;
    Glockenläuten klingt nun trüber -
    Preetz, ade sag‘ ich euch matt.

    Kann es selber noch nicht fassen,
    Freunde, Heimat - bleibt zurück!
    Preetz, ade, ich will dich lassen,
    segnet mich zu meinem Glück!

  • Ostsee (von C. Goehner), Hamburg

    Unerbittlich weht er über den Abhang.
    Der Wind trägt das Geräusch der schäumenden Wogen.
    Kein Sonnenlicht.
    Melancholie und Wehmut bringt die trübe Sicht.

    Den Menschen zu hoffnungsvollen Fantasien.
    Ewig umspült von der rastlosen Bewegung des Meeres.
    Hinauf zu Abenteuern aus fernen Welten.

  • Gedicht von G. Bornmann, Altenholz

    Meine Heimat ist die Welt,
    Wasser, Erde, Wälder, Berge,
    dort, wo mir die Natur gefällt,
    ist es, wo ich heimisch werde.

    Meine Heimat ist die Förde
    blauer Himmel, Wolken, Meer,
    vieles was mein Herz begehrte
    fand ich hier und lieb es sehr.

    Meine Heimat ist Xai Xai,
    in Mosambik am Ozean.
    Dort bin ich froh, dort bin ich frei,
    Herz und Seele werden warm.

    Meine Heimat ist die Welt
    wo Frieden ist, ruh ich mich aus,
    und wo es mir sehr gut gefällt,
    bau ich mir ein kleines Haus.

  • Garten Eden (von U. Kassebaum, Edemissen)

    Morgen werde ich sein im Garten Eden
    heute leb ich einStück davon
    Blumen noch unter Eis
    spüren die Sonne feucht ist die Erde -
    Keime erwachen
    und über dir singt der Himmel
    du bist wie ein blühender Baum
    diese Welt ist deine Erde - reife darin
    Heute erleb`ich ein Stück vom Garten Eden
    morgen werde ich darin sein.


    MoorLiebe (von Eilin Meseck, Nienwohld)

    Leben mit Tier Baum und Pflanze hier.
    Gehen mit der Zeit sowie Natur macht
    Weiter Blick an jeder Jahreszeit
    Himmel und Erde zusehen imSpiel am
    Horizont. Sonnenfarben Wolkenfarben jeden Tag neu
    Mein Herz darf dort verankert Sein.
    Im Spiel mit NaturTierJahresZeiten
    WeitWeit darf schweifen mein Blick
    Im UrUralten Moor.
    Das ist Liebe HierSein

  • Gedicht von A. Franke, Bad Zwischenahn

    Ich lieb es,wenn Küh durch den Sommer zieh'n
    Grashalmkauend,schwarzweiss auf grün,
    Wiederkäuend im Grase liegen -
    Sie und die Fladen umschwirrt von Fliegen -
    Sie und die Weide umflirrt von Licht!
    Gibt es was schöneres?? Doch wohl nicht!!!


    Wunderblume (J. Knittel, Knittel)

    Des Lebens Sein
    Verschlüsselte Rune
    Im schattigen Hain
    Du bist im Nah'n
    Ich fühl's genau
    Dein Bild ich ahn
    Im Morgentau
    Und noch verschließt
    Des Tagesdunst
    Was sich ergießt
    Als edle Kunst
    Dich will ich schau'n
    Im stillen Raum
    Du zarte Pracht
    Leuch'st Du mir sacht...

  • Winterzeit (O. Schickerling, Reinfeld)

    Kristallene Weite, flaches Land
    Dein Blick sucht den Horizont
    Rauhes Wasser,jagende Wolken
    Grau in grau zerfließen Himmel,Meer und Strand

    Deine Spuren verlieren sich im verwehten Schnee
    Zeit zu warten,auszuruhn
    Sturmwind singt sein Lied
    Schon seit Ewigkeiten Gezeiten und Dünung der See

    In des Deiches Obhut sturmgeduckt der Ort
    Reetdächer schützend tief herabgezogen
    In kleinen Fenstern sanftes Licht
    Die niedrige Stube behaglich warmer Hort

    Nordsee, "Blanker Hans"
    Von Mund zu Mund lebendige Legenden
    Es lauschen jung und alt
    halten schaudernd sich bei Händen

  • Windflüchter (I. Siegert, Rostock)

    So stolz steht die Föhre auf kärglichem Sand,
    ganz frei, und es schirmt sie nicht Düne, nicht Wald.
    Sie findet, zieht tosend der Sturm übers Land,
    allein in sich selbst ihre Kraft, ihren Halt.
    Und es ringt mit dem Sturme bei Tag und bei Nacht, die F ö h r e.

    Es gleicht ihre Krone dem Haupt einer Frau,
    vom Winde zerzauset das wallende Haar.
    Ihr Blick, er begegnet, so schau doch nur, schau,
    voll Sehnsucht dem schimmernden Meere, so klar.
    Und es trotzet dem Sturme bei Tag und bei Nacht, die F ö h r e.

    So bilden die drei einen ungleichen Bund:
    die Föhre, das rauschende Meer und der Wind. -
    Doch nun liegt die Föhre, gebrochen und wund
    am Boden, ein hilfloses, weinendes Kind.
    Es ergab sich dem Sturme in eisiger Nacht, die F ö h r e.

  • Viel Glück in meiner Stadt! (P. Mangliers, Hamburg)

    heute will ich Glück sammeln
    es heißt doch
    neuer Tag neues Glück
    ich weiß ja wie's geht
    wie im Urlaub
    Muscheln und Steine sammeln
    bis die Hände voll
    und die Taschen schwer sind
    ich hab ein Sammlerherz
    schaue lausche finde
    jetzt kann ich Glück verschenken
    vor Glück laut singen
    und -fast- die ganze Welt umarmen
    leichten Herzens
    das ist Glück
    das ist Glück

  • Santorini (A. Gonsch, Hamburg)

    Wind, Sand, Sterne, Meer ----
    Santorin, man liebt Dich sehr.
    Der Kykladen schroffes Land,
    Kahle Hänge, schwarzer Sand,
    Schönheit in den Glockentürmen,
    Wildheit in den Meeresstürmen,
    Weiß auf Rot und Schwarz auf Braun,
    Schwefel aus dem Kraterzaun;
    heiße Stille, harte Schatten,
    lange Wellen, gleichsam Matten
    spielen mit des Ufers Härten,
    streicheln sanft und schwingen Gerten,
    geben Weichheit, Lieblichkeiten
    den Kontrasten dieser Breiten.
    Wenn die Sonne untergeht,
    zarte Luft im Raume steht
    und bedeckt die schroffen Klippen
    mit pastellnen, weichen Lippen.


    Bornholm (A. Gonsch, Hamburg)

    Bornholm, die Insel in luftdurchfluteter See!
    Deine Wellen bald sanft, bald schäumend mit Kronen wie Schnee.
    Hier Rot bei Weiß, dort Blau bei Gelb vor dem Grün
    lässt Häuser und Fluren und Gärten heiter erblühn.
    Du atmest Ruhe, erstaunst mit Fels-Fantasie,
    vereinigst Kontraste zu friedlicher Harmonie.

  • Heiligabend auf der Hallig (S. Hars, Husum)

    Es war an Heiligabend
    auf der Hallig bei Windstärke 10.
    Die Nordsee war heftig am Tosen
    und die Warften waren nicht mehr zu sehn.
    Eine Sturmflut an diesem heiligen Tag,
    der Wind heulte und schrie.
    Schaumkronen auf dem schwarzen Wasser,
    das Wasser stieg und stieg.
    Wir saßen still und andächtig am Ofen
    und lauschten dem Sturm und der See.
    Die Sturmflut ging nachts dann von dannen
    und wir saßen immer noch beim Tee.
    Dieses Weihnachtsfest werde ich nie vergessen,
    auf der Hallig, eingeschlossen vom Meer.
    Die Halligmenschen sind etwas ganz besonderes
    und ich liebe meine Heimat sehr.

  • Heimat Hamburg (A. Oppenheimer, Hamburg)

    Wenn Hamburg meine Heimat wär',
    so wollt ich gerne singen,
    wie schön ist's um die Alster her,
    und auch ein Lob erbringen
    der Freundlichkeit und Nettigkeit
    von seinen Bürgern allen.
    Doch leider ist es nicht soweit,
    so red' ich vom Gefallen.
    Vom Grün und Blüh'n der Stadt,
    auch noch im schlimmsten Regen.
    Wo's viele schöne Häuser hat,
    nicht nur die Elbphilharmonie, von wegen!
    Doch dauert es drei Generationen,
    bis man endlich wird ein Hamburger,
    das muss sich für die Stadt auch lohnen.
    Solange is(s)t man dann eben Burger.

  • Kantig wie die Heimat (Westerwald) (J. Engel, Havetoft)

    Das Kreuz hängt an der Wand,
    aus bestem Ton, graublau gebrannt.
    Es sind die meiner Kindheits Farben,
    der Tonfabrik gleich hinterm Mühlgraben,
    bunte Sommerwiesen und dunkelgrüner Wald,
    grau kantiger Basalt und sanfte Hügel,
    nie sah ich ein bess'res Land:
    Wohlgesonnen dem Geraden,
    und hart dem der es nicht verstand.

    Nur ein offener Blick versteht,
    wie das Land die Leute prägt.
    Doch ist das Alles schon sehr lange her,
    und Tongruben gibt es längst nicht mehr.
    So verblasst die gute alte Tradition,
    überdauert von Städterzivilisation.
    Infiltriert von Köln und Frankfurts Reichen,
    die Forke im Arsch sollt ihr euch schleichen.

  • Schwalben im Grönegau (E. Kowalski, Melle)

    Die Schwalben tanzen im Sommerregen
    drehen ihre Runden mal links herum
    mal rechts herum, fliegen mal Unten
    tief über dem Boden,
    über Tische und Stühle und in Apfelbäume um dann
    ganz Oben auf dem Dachfirst zu landen
    zu schauen, mit den Flügeln zu schlagen
    und fröhlich Zwitschern ihr eigenes Lied
    - da, ein roter Apfel fällt in grünes Gras


    So will ich sein! (K. Beck, Hannover)

    Nicht lügen, stehlen, heucheln, hetzen,
    und in der Tasche heimlich das Messer wetzen!
    Bei der Liebe gern erröten,
    kene anderen Menschen töten!
    Vater und Mutter ehren, möglichst den Herrgott auch
    das wäre christlich Brauch!
    Doch sei auch nicht feige,
    und wenn Du Dich traust, gebrauch auch mal die Faust!
    Nicht die, um andere zu beleidigen,
    nur die um, um Schwache zu verteidigen!

  • Nebel (T.M. Hartmann, Mettingen)

    Längs am Berg zieht Nebel,
    grau liegt Dorf und Feld.
    Starr guckt Baum und Giebel
    In die düstre Welt.

    Habicht löst vom Pfahle,
    matter Flügelschlag.
    Tief im Wiesentale
    schläft der Nachmittag.

    Langsam sickert Stille
    in das Heckendicht.
    Stehen zwei umschlungen,
    warten auf das Licht.

  • Frühlingswünsche (H. Wessels, Hannover)

    Was sie heute wieder melden
    Kriege, Klima- Showdown, Katastrophen 
    (Und wieder droht Kastanientod)

    Wieder aber auch mischen sich
    in Kostbarkeiten Blütenmeere wie aus
    Zeiten, als Visionen noch nicht ausgeträumt.

    Kinderspiele noch nicht Kopf und
    Kragen kosten wollten. (Ewigkeiten sich in Jahre neigten)

    Wie soll man also einem Morgen glauben.
    dem lauer Südwind eine bunte Jacke webt.
    vor dem Wispern des Flüsschens sich verneigen
    den Faltern aus dem Kindheitsbeet

    Ein Trotzdem jubelt plötzlich aus der Tiefe
    Ein Blick aus kurzem Sich- erkennen sagt,
    die Welt ist wieder einmal auszuhalten,
    liegt nicht schon allerorts im Grab

  • Wo ich her komm' (S. Rave, Hamburg)

    Du bist immer da, auch wenn ich fort bin.
    In meinem Herzen.
    Oft fühle ich deine Schönheit,
    deine Kraft und Beständigkeit,
    erst dann,
    wenn ich in die Ferne reise.
    Und leise, ganz leise dämmert's mir,
    was du mir gibst und was dich so einzigartig
    für mich macht.
    Zu dir komm' ich immer zurück,
    und es wird sein,
    wie immer.

  • Ohne Titel (H. Rütz, Halberstadt)

    Frühlingsluft
    Ein irrer Duft von Linden
    ist in der Luft zu finden.
    Wenn er doch immer bliebe
    wo ich ihn doch so liebe.
    Ein Flügelschlag, ein Sommertag,
    schon ist's vorbei was ich so mag.


    Heimat - Eine Erinnerung (B. Schumann, Hamburg)

    Vergangenheit Gegenwart zugleich
    Wie ein altes Medaillon
    Sehnsüchtig fliehen nun Bilder
    Verklärt zum Lilafliederbusch
    Zum lauten Kettenkarussell
    Das mich in höchste Höhen trug
    Und nah der dunkle stille Wald
    Die streng gefurchten Felder aufgewühlt
    Meine erste Mondscheinsonate!
    Alle Himmelsfarben waren mein
    Jetzt überwuchert Efeu Trauerplätze
    Die Marmorsteine in memoriam
    Längst abbröckelt die Goldschrift schon
    Doch eine Kerze brennt hier noch
    Und manchmal spielt für mich Musik

  • Heimat (S. Fuhrmann, Winsen)

    ... wilde, wogende Wasserwellen,
    Kühe brüllen, Hunde bellen,
    grasgrüner Sommerwiesenwind,
    Käpt'n Kuddel, Knusperstint,
    Schafe kullern über'n Deich,
    Wolkentürme watteweich,
    Orly, Labskaus, Spiegelei,
    mit Carlo tanzt die Seele frei,
    Bernstein, Schlick und Dünengras,
    Luhe, Liebe, Bier vom Fass,
    Michel, Alsterweihnachtsbaum,
    Brakelmann, Elektrozaun,
    Pharisäer mit Sahnehäubchen,
    Marstall grüßt mit Hochzeitstäubchen,
    Heimat

  • Sehnsucht nach Heimat (B. Ludwig, Westerborstel)

    Ich seh' mich
    auf dem Weg zur Erdbeereiskugel,
    zeitlos mit den Füßen im Bach,
    am kaputten Kaugummiautomaten stehn.

    Diese eine Häuserecke,
    hunderte Male mit Blicken berührt,
    unscheinbare Blümchen
    wachsen, vergehn.

    Die Luft, die ich atme, vertraut,
    Menschen, die mein Leben kennen,
    Freunde, die meine Sprache verstehn.

    Das ersehne ich mir,
    wo auch immer ich bin.

  • Ohne Titel (B. Pommerening, Ingersheim)

    nicht lange her
    da waren Kinder groß und klein
    auf den Straßen in den Gassen
    gute böse alle Klassen
    von denen lernten wir
    was zu tun und was zu lassen
    schön waren wir zurechtgemacht
    mit Scheitel links und rechts
    manchmal die Mitte gerad' gezogen
    das Label Flickwerk trugen wir
    selbst Säume waren ausgelassen
    wo sind die Kinder in den Straßen Gassen
    sie sitzen gut vernetzt in virtuellen Räumen
    sie ticken digital und fastfood-Order
    schwebt herein auf Untertassen


    Holmer Sandberge (G.F. Helwig, Schnefeld)

    Der Sommer schaukelt noch- im Gesang der Grillen -
    zwischen den Halmen blüht rötlich schon der Sauerampfer -
    und aus den schattenden Wald kommen die Stimmen der Vögel -
    mein Herz ist still- im Summen lauschend den Bienen -
    wie ein Flugzeug schwimmt der Wind über den Äther- leise
    in die Schleier der Nacht

  • Heimat (E. Will, Rotenburg Wümme)

    Am Wald die Kiefern,
    die Wiesen rundum,
    die sandigen Wege,
    braunes Fachwerk am Haus.
    Der Weiher. Die Scheune. Der Hof.
    Mein rührseliges Zimmer,
    mein melancholisches Dorf.
    Von hier ging ich hinaus,
    und hierher komm ich wieder,
    aber nicht in dieses Haus.


    Ostsee (C. Goehner, Hamburg)

    Unerbittlich weht er über den Abhang.
    Der Wind trägt das Geräusch der schäumenden Wogen.
    Kein Sonnenlicht.
    Melancholie und Wehmut bringt die trübe Sicht.

    Den Menschen zu hoffnungsvollen Fantasien.
    Ewig umspült von der rastlosen Bewegung des Meeres.
    Hinauf zu Abenteuern aus fernen Welten.

  • Kuhmühlenteich (B. Volquardsen, Hamburg)

    Dicke Enten stehen auf einem Bein und spritzen Scheiße.
    Zerzauste Tauben picken längst, was ich nicht schmeiße.

    Eine alte Ratte hoppelt übers kurze Gras, zum Platzen fett.
    Vergebens reckt ein Flaschenhals den Mund aus seinem Wasserbett.

    Ebenfalls auf einem Bein und abseits ihrer Gruppe döst,
    Kopf unterm Flügel, eine Graugans, alt und unerlöst.

    Ein Krähenjunges krächzt in hohem Ton: Wir sind die Bösen.
    Aus Himmel, Laub und Schatten malen kleine Wellen Ösen.

  • Ohne Titel (A. Westermann, Hamburg)

    Er war hart, mein Start in dieser Stadt,
    und doch: Ich geb zu, dass Hamburg was hat.
    Ich mag Barmbek-Nord und das Schulterblatt
    und das Möwengeschrei und den platten Schnack,
    Ich mag's zum Fischmarkt zu geh'n, ne Buddel eingepackt,
    da an der Hafenkante steh'n, wo ich mir den Tag raus hack,
    vorm Strom der Hadag-Fähren in ihrem Fahrwasserbrack
    zwischen Ankerkronkorken und Labskausgeschmack.
    Ich lass so gern den Blick schweifen übers Hafenpanorama.
    In der Ferne rauschen Laster übers Köhlbranddiorama.
    in der Nähe quietschen Kräne fürs Containerhafenkarma.
    Mein innerer Kompass zeigt jetzt stur nach Norden.
    Meine Fußschritte führen in den Großstadtfluss
    Ich leb im Takt von Backsteinwandakkorden.
    Ich kleb exakt hier fest, ich hab Elbmagnetismus.

  • Ohne Titel (B. Ehlers, Rendsburg)

    Das Herz, das wohnt in Ahtiem.
    In Tamieh und Mahiet,
    die Liebe mich umgibt!
    Srelhe Aeb


    HEIMAT (B. Grasse, Lübeck)
    Heimat leben
    Heimat lieben
    Heimat fühlen
    Vaterland des Herzens
    Heimat -
    Halt
    grenzenlos -

  • Sehnsucht (K. Alexander-Glauche, Springe)

    zwischen dem sinkendem Tag
    und der steigenden Nacht
    im Sog der Stille
    wird mein Ort sein

    beschneite Straßen
    von Mondsilber übergossen

    ein Vogel seufzt im Schlaf
    träumt er?

    im Haar den Duft meines Geliebten

  • Ohne Titel (H. Pindur, Niebüll)

    Es gab einen Mann in Nordfriesland,
    das Wetter er immer ganz mies fand.
    Der Frühling kam doch,
    es blüht noch und noch,
    er weiß gar nicht, was einst er so fies fand.


    Weltweit grenzenlos (G. Tammena, Ahrensburg)

    Heimat sei mir,
    wohin ich am Lebensende mich zurückträumen will.
    Möge doch ein jeder Mensch
    sein Wissen um eigene Heimat fest in sich tragen,
    um dereinst heimzukehren.
    So wie die Zugvögel, die Schmetterlinge, die Frösche, die Fische
    am Himmel ziehen, die Lüfte durchflattern,
    das Land bewandern, die Wasser durchschwimmen
    so kehren die Gedanken heim und niemand darf es ihnen wehren.

  • Heimat (S. Ziegenhagen, Kiel)

    Heimat, ein Gefühl in uns
    es ist leise
    wird auch mal laut
    gibt uns Geborgenheit,
    wir sind zu Hause, daheim

    Heimat, ein Leben im Draußen
    es sind die leisen Wolken
    die lebendigen Menschen
    denen wir vertrauen,
    wir sind zu Hause, daheim

    Heimat ist
    wo Innen und Außen im Einklang sind
    wo wir leise sein können
    mit anderen auch mal laut,
    egal wo wir sind, zu Hause, daheim

  • Poeler Liebe (J. Pruchner, Hamburg, 2013)

    Rosenhecken
    Satter Duft in weißrosa
    Bewaldete Klippen
    Wachend in rostrotocker
    Seit jeher Heimat der Bienen und Schwalben

    Romantische Wege durch Wiesen und Felder
    Aufgereihte Netze im Geruch von Teer
    Backsteinkirche in Schlosswellen badend
    Hafen vor azurblauer Bucht
    Fischerboote an salzigem Tau

    Liebliches Eiland in östlicher See
    Blaue Muschel mit silbernem Mund
    Erinnerungen bergen Perlen von dunklem Grund
    Wiegen Sprache ins Leben - der Seele Weh

  • Das Meer (K. Helfenbein, Dorsten)

    Der Blick auf den Horizont
    verspricht Unendlichkeit.
    Im rhythmischen Rauschen der Wellen
    -herzschlaggleich-
    getragen voller Harmonie
    verlieren sich die Gedanken
    im ewigen Spiel des Windes
    und offenbart sich
    ein Platz der Ruhe.

  • flüchtiges Blau (P.D. Mangliers, Hamburg)

    blaue Stunde am See
    kalte klare frostige Luft
    ich atme kleine Wolken
    und die Sonne kreuzt quer
    gleißt über Eis, glitzert auf Schnee
    ich blinzele Tränen
    während meine Füße knirschend und gleitend
    Tritt suchen auf vereistem Weg
    um mich ist es
    schwarz und weiß, blau und golden
    filigrane Muster im Eis und Geäst
    dort ein Eisvogel auf einem kahlen Zweig
    mein Blick folgt seinem Flug
    kurz aufleuchtend
    flüchtiges Blau
    es bleibt - ein zartes Glück

  • Heimatgesicht (R. Elmholt, Eckernförde)

    Zwischen zwei Meeren wie eine Rune, platt die Sprache als auch das Land
    Weit wie ein Riesenzelt wölbt sich der Himmel, immer im Clinch mit dem Horizont
    Schräg schützen rote Dächer die ihren, mit deren Humor nicht zu spaßen ist
    Im Sturmschutz der Deiche blökt Marschenland kraftvoll gegen das Flimmern des Buchenwalds
    Gelb knallen Raps und Löwenzahn im Wettlauf mit Resten des Friesennerz'
    Derweil die A7 brausend, brüchig auf Schollen stolpert, die ihre nicht sind zwischen zwei Meeren

  • Mein Land (P. Bersdorf, Wrestedt)

    ist dieses Wasser, jeder Baum, jeder Strauch sind diese Felder, die freien Vögel im Wind. Mein Land ist dieses Sonnenlicht, der fliehende Hase das Storchenpaar dort oben und die stockfinstre Nacht. Jede Kornblume ist mein Land, der weite Himmel und die Schleuse.
    Ginster am Bahnübergang, der Mann auf dem Trecker der kleine Friedhof, der Bücherbus und 19 Brieftauben. Mein Land ist dieses Moin, die Blicke zum Nachbarn, ein Schnack. Klein Bollensen ist mein Land, der Junge vom Martinshof und ein Hund, der keinem gehört. Mein Land sind die Zirpen, ist Reet über rotem Klinker, sind diese Bachstelzen. Mein Land sind Verse und der Garten, in dem ich sie schreibe, ist mein Land.

  • An die Nordsee (H. Tjurson, Bonn)

    In Dangast schwappte salzig Wasser
    an den schönen, hellen Strand -
    ich kam gerad' aus fernem Land,
    ward von Tag zu Tage blasser,
    kannte nicht einmal die Nordsee mehr,
    als ich sie sah und doch nicht sah.
    Da ging es meinem Herzen nah:
    Dat is to Hus, dor koom ik her.

  • Aeneis(M. Rauser, Hamburg)

    Hier bete zu den Flußgöttern, Koordinaten-Gittern,
    die Welt ist noch die gleiche - du kennst sie.
    Auf den langen Spaziergängen:
    Hier bete zu den Flußgöttern,
    wie Souvenirs trägt man sie mit.

    Wer jetzt nicht in Italien ist,
    fliegt heute nimmer mehr.

    Auf den langen Spaziergängen
    klumpen die Marschschlämme an den Schuhen,
    wie Souvenirs trägt man sie mit.


    Ohne Titel (A. Albrecht-Pilgram, Hamburg)

    Altes Land, Bauernland
    Hoher Himmel, weiter Raum
    Grüne Deiche, Elbestrand
    Brackdurchzogen, Baum an Baum
    Duftig' rosaweißes Blütengewölk
    wenn Apfel und Kirsche erblüh'n.
    Diamantenes Glitzern, wenn späte Fröste
    das Land durchzieh'n.
    Wogende Fülle, Bienengesumm'
    Schwanengefieder
    und Schwalbengesang
    Altes Land, Schönes Land

  • Schusterkate, die grüne Grenze (E.-M. Schmidt-Hanssen, Flensburg)

    Küsten-, Wald- und Wanderweg,
    übers Wasser führt ein Steg,
    mühelos zu überschreiten.
    Schön ist es auf beiden Seiten.

    Deutschland hier - dort Dänemark,
    Frieden, Freiheit… Das ist stark:
    Eine Grenze ohne Schranke!
    Wunderbar ist der Gedanke,

    einfach hin und her zu gehen,
    nur um eines zu verstehen:
    Nichts trennt hier am Förde-Strand
    uns und unser Nachbarland.

  • Frühling (K. Determann, Isernhagen)

    Frühling ruft die Welt aus Nächten
    lässt die Sonnen tanzen.
    Im Verein mit allen Mächten
    fühlen das die jungen Pflanzen.
    - Liebevoll schaut Vater zu -

    Frühling lockt die ziehenden Scharen,
    Vögel kehren nordwärts heim.
    Wo sie winters heimisch waren,
    stellt sich heiße Sonne ein.
    - Liebevoll schaut Vater zu-

    Frühling zeigt sich sturmgebeugt,
    pustet sandens Körner weit.
    Mächte, das ist hier bezeugt,
    kennen jeden Takt der Zeit.
    - Liebevoll schaut Vater zu -

    Frühling ruft die Welt aus Nächten

  • Regentropfen (K. Determann, Isernhagen)

    Regentropfen klopfen an
    Scheiben und Wände bieten Bahn
    Dachrinnen leiten ab
    Fallende Rohre führen ab
    Straßenkanäle nehmen auf
    Bäche werden gespeist
    Meere merken es
    Sonnenstrahlen
    holen zurück
    Wolken bilden sich
    Regentropfen klopfen an


    Junkermann (K. Junkermann, Brekendorf)

    Märchenhaftes Wolkenkino über mir
    in grüner Wiese oder im Sand
    am Ufer des Meeres liegend
    begleitet vom Gesang der Vögel
    oder von dem Schrei der Möwen
    genieße ich Heimat

  • Winterlicher Park (C. Martinowitsch Schmidt, Nienburg)

    Die spröden Spuren im Schnee,
    die knirschenden Schritte,
    nur dünn das Eis auf dem See
    im Dunkel der Mitte.

    Sein Spiegel unrein und rau,
    kein freundlicher Schimmer,
    das gleiche granitene Grau
    wie gestern und immer.

    Die starren Fische im Nass,
    stumm Stunde um Stunde,
    geduldig in Liebe und Hass,
    im Dämmern am Grunde.

    Das Warten auf Wärme und März
    in kargen, verschneiten
    Alleen, verschlungen im Schmerz
    um zärtliche Zeiten.

  • Ohne Titel (P. M. Pietsch, Lüdershagen)

    Brüllend tobt die See die ungeheure braust und zischt und lässt
    donnernd die wogen stürzen gierig
    greift sie nach den dünen und gräbt sich
    in den sand alles hör ich sie drohen ich hol mir alles wieder
    sand wirbelt in den wogen wenn sie über die buhnen
    brechen sie scheuern und an
    jeder einzeln rütteln dort hat die wütende eine herausgerissen
    und an den strand geschleudert das holz versinkt im
    sand und wird jetzt freigespült die
    wasser fluten in die priele und überziehn den glattgewaschnen
    sand mit einem silber gleißend spiegeln die himmel sich und meine
    augen suchen darin die röte zorn oder scham wie
    nahe ist die abendliche reue ich schreie meine klagen meine
    ängste in den wind und lausche mit gepressten lippen werden wir
    noch eine umkehr finden?

  • Idyll und Asyl (Gabriele Schwartz)

    Meine Heimat ist klein.
    Meine Welt ist in mir,
    Dir bleibt sie unsichtbar.
    In meinem Kopf gehe ich spazieren,
    in Sicherheit
    in der Galerie der gesammelten Bilder.
    Und ich gehe und gehe -
    Wohin?
    Immer suche ich mein Zuhause.


    Finanzamt Bremen (F. Dreimann, Bremen)

    Im Paternoster, abwärts fahrend, fast deckungsgleich
    mit der Stufe.
    Mit dem Kinn soll der Aktenberg gehalten werden.
    Es funktioniert nicht.
    Unterdessen versinkt alles in der Holzkabine.
    Poltern, sonst nichts.

  • Elbblick (J. Gräber, Hamburg)

    Um vor der Stadt den Strom halbiert zu sehen,
    noch eh' in Krakenarme er sich teilt,
    lass', Wandrer, uns zur Spitz' am Bunthaus gehen;
    ein Ort das ist, wo gerne man verweilt.

    Und während fern sich Tagwerks Räder drehen,
    der andren Unrast über Brücken eilt,
    verfolgst in Muße du, was an Geschehen
    das Auge dir vom hohen Sitz erpeilt.

    Die Schifffahrt zieht dort ihre träge Reise
    an uns vorbei; dem Bild nach alter Weise
    ein Vögelein im Reet das Ständchen bringt.

    Dazu noch andre, einst vertraute Töne,
    denn, horch! ein Spuk?, der Hamborger Geklöne
    zum Ufer aus dem Tidenauwald dringt.

  • Daheim (V. Maaßen, Hamburg)

    Der Mensch fuhr weiter mit Benzin,
    solange es ihm billig schien.
    Amsel, Drossel Fink und Starm,
    es blieb den ganzen Winter warm.

    Der Mensch kürzte zum Scheine bloß
    ein wenig CO2-Ausstoß.
    Amsel, Drossel, Fink und Stalt,
    nicht mal zu Weihnacht war es kalt.

    Dem Menschen ging es immer nur
    um den Erhalt der Konjunktur.
    Amsel, Drossel, Fink und Start,
    schon zu Neujahr spross es zart.

    Vom Reisen hatten sie genug.
    So strichen, wie schon letztes Jahr
    Amsel, Drossel, Fink und Star
    den sinnentleerten Vogelzug.

    So blieben sie daheim.
    Jetzt stimmte auch der Reim.

  • Ohne Titel (M. Blaubach, Hamburg)

    Blankenese ist ein Ort
    den ich besinge immer fort.
    Auszusprechen ist er schwer
    drum lieben wir ihn umso mehr.
    Hier gibts die Elbe, unsren Fluß.
    Nah dran zu wohnen ist ein Muss.
    Nicht jeder kann sich Elbblick leisten
    doch davon träumen tun die meisten.
    Das Treppenviertel ist bekannt-
    nach 1.000 Treppen so benannt.
    Wir lieben unsren "Klönschnack" sehr.
    Das ist ne Zeitschrift, wenn nicht mehr.
    Jeden Monat kann man sehn,
    was gut ist - und was nicht so schön!

  • Ohne Titel (T. Auga, Langballig)

    Angeln- wenn mein Blick sich träumend, sinnend
    in deine liebliche Hügellandschaft versenkt,
    dann ist es mir,
    als sähe ich die große Schöpferhand,
    wie sie formend,
    lange vor unserer Zeit,
    über die neue Erde gleitet
    und hier, die üppigen Formen.
    die sanften Rundungen,
    der Urgöttin nach gestaltet.


    Amelinghausen (M. Helms, Amelinghausen)

    Ich komme in die Heimat rein
    Amelinghausen; mein
    Das Häuschen, der Garten, der Himmel so weit,
    hier bin ich zum Sterben bereit.
    Zur Nachtruh' die Sterne,
    mit Glück ist der Sichelmond nicht mehr so ferne.
    Die Umgebung erkunden, mit dem Rad geht es schnell,
    ich spüre im Herzen wird es ganz hell.
    Bergauf und Bergab, der Blick geht so weit,
    das Gefühl von Zufriedenheit macht sich so breit.
    Im Herzen nehm´ ich es überall mit hin,
    egal wo ich jetzt bin.

  • Ohne Titel (Stephan Fritzsche, Kultur-Redakteur bei NDR Info und gebürtiger Kieler)

    Kiel mein Kiel du Wasserstadt
    Immer eine Handbreit drunter hat
    Die Förde teilt in Ost und West,
    die Stadt die keinen trocken lässt
    Die Krähne stehn' im Sonnenlicht
    HDW und End of Frühschicht
    Das war einmal, heut's anders heißt
    Symbole aber bleiben meist
    So auch der Krähne hoher Bau
    In ihrem tiefen Wasserblau
    Was war noch ... ach ja Olympia
    Am Rathausmarkt die Flamme leuchtet
    Des Kieler's Aug sich langsam feuchtet
    Das geht auch heut noch - wunderbar!

  • Ohne Titel (J. Schmidt, Hannover)

    Dunkel war's schon vor dem See,
    Doch jetzt schluckt Nebel das, was übrig ist vom Licht,
    Betäubt zusammen mit Bäumen alle Sinne.
    Feucht der Schuh, mein Bart wird klamm.
    Glitzernde Tropfen erhofft' ich zu sehn,
    Doch nur ein leises Glucksen
    Lenkt mein Aug' auf einen schwarzen Schatten,
    Der in dichtes Weiß taucht erst den Kopf dann ganz hinein.
    Geborgen in dieser Stille voller Leben geh' ich meiner Wege.

  • Lass Dich nicht hetzen (K. Beck, Hannover)

    Woran ich denke? An die Weihnachtsgeschenke!
    Kaum vorbei, beginnt die Silvesterknallerei.
    Neujahr, die Heiligen 3 Könige, Zeit verrinnt und Fasching beginnt.
    Ostern, Fastenzeit, der 1. Mai-Tag der Arbeit , ich hab frei!
    Der Mutter-, und der Vatertag, er darf einen trinken, schon ist Pfingsten.
    Geburt und Hochzeit, Maschseefest, die Termine stehen fest!
    Der Bergmanns- und der Sportverein laden zur Versammlung ein.
    Und plötzlich, zur Verwunderung, muß ich zur Beerdigung!
    Ferien, Urlaub, wird man ahnen, kaum zu planen.
    Schützenfest mit Feuerwerk, das Altstadtfest.
    Und ohne Grausen, das große Fest in Herrenhausen!
    Weltspartag und Ramadan, gehen mich mal wenig an,
    aber dann im großen Saal, da feiern wir den Karneval!
    Und plötzlich zur Verwunderung, wieder 'ne Beerdigung!
    Geburtstag, Bußtag und der Nikolaus, - Jahres-Aus!
    Auf was muß ich noch achten? Na, auf Weihnachten!

  • Grauer Tag (F. Altemüller, Elsmhorn)

    Im Nebel frostig ausgebreitet
    liegt still in sich gekehrt das Moor.
    Auf leisen Schwingen krächzend gleitet
    ein Rabenpaar aus dem Geäst hervor.

    Vor deinem Tritt am Wegesrand
    bricht raschelnd dürr das tote Gras.
    Die Birken, kahl, in Reif gebannt,
    träumen vom Frühling, von neuem Nass.

    Hier hält das Land den Atem an,
    es lauscht dem jungen Jahr entgegen.
    Wohl dem, der rüstig schreiten kann
    nach Haus, nicht nur der Kälte wegen.

  • Auf der Insel (F. Altemüller, Elsmhorn)

    Friesenzauber,
    Lupinenpracht
    und überall Tortenverführung.

    Dünengebirge,
    Kiefernduftrausch,
    strandsandige Wasserberührung.

    Amselgesang,
    Fasanenschrei,
    der Wind fegt durch den Flieder.

    Sonnengekose,
    Wildrosenduft ...
    Amrum - wir kommen wieder.

  • Hier (G. Bottin, Großheide-Berumerfehn)

    Bloot na buten kieken
    Good gahn laten

    Mit nix to verglieken
    Kannst neet faten

    Dör de Welt so strieken
    Boven Maten

    Brengt denn ok dat Wieken
    Weer in Gaten

    Daar bünd ja de
    Dieken Lüttje Straten

    Bloot na buten kieken
    Good gahn laten

  • Nebel (J. Bernien, Schönberg)

    Die Landschaft ist mir so vertraut,
    dass Nebel wie ein Nachthemd scheint
    und Reiz für alte Wege neu entfacht,
    die ich behutsam gehe und genießen kann.

    In fremder Öde wird der Dunst zum Trug.
    Er deckt die Risse und die Felsen ab,
    und wenn ich gehe, kommt die Angst,
    dass ich werd' stürzen und versink'.

    Wenn ich den Grund weiß,
    lockt mich der geheime Flor.
    Ich bleib' geborgen in und außer mir.
    Licht und Farben steigen hoch.

  • Träume segeln dahin (J. Bernien, Schönberg)

    Komm wir segeln! Lass uns schweben
    in Gedanken von hier fort. -
    Träume führ'n durch Nacht zum Leben
    und an einen höh'ren Ort. - -

    Lass dich gleiten, dich umwerben
    von der Brise, die so rein.
    Sie reißt Trübsinn und Beschwerden
    in die Wolkenjagd hinein. -

    Mit den Jahren der Erfahrung
    sind wir lächelnd sturmerprobt.
    Eins zu sein ist Offenbarung!
    Ich spür' die Liebe, bin gelobt.

    Angekommen auf der Höhe
    wird der Kopf uns spielend leicht;
    fühlen die ersehnte Nähe,
    haben uns im Herz erreicht.

  • Landschaft mit Windmühle (J. Holze, Celle)

    Flügelgerippe
    vergeblich schlagend
    gegen Stürme der Zeit

    Und kreischend Krähen
    entfliehn
    dem Morast
    der Einsamkeit

    Kein Halt im Himmel
    den flehend gereckten Fingern

    Und echolos und ohne Wiederkehr
    Seufzer verschwinden
    in gurgelnden Schlünden
    schwarzschlürfender Strudel

    Apokalypse
    im Teufelsmoor

  • Dem Kreis mit Stadt, Land, Fluss (W. Kohlhof, Kummerfeld)

    Wo Gott schuf uns Asyl
    und gab Lebendigkeit,
    tat er Verzicht auf ein Zuviel
    an Eitel- und Großartigkeit.

    Stattdessen: hier ist großgeschrieben
    schlichte Freude, Stetigkeit,
    ist in Feldern, Auen wahr geblieben:
    nimm. Und habe deine Zeit.

    Ruhm, Spektakel? Nein.
    Du bist in diesem Sinne Zwerg.
    Doch im Erholen bist du Riese
    spüren wir auf Weg und Wiese,
    in diesem Sinne bist du mein:
    Kreis Pinneberg.

  • Wann endlich? (F. Altemüller, Elmshorn)

    Narzissen, Estragon und Peterling
    hängen tief gebeugt zur Erde,
    hoffen nach der kalten Nacht
    dass doch endlich Frühling werde.

    Ingrid, Brigida und Nicola
    klagen mir unisono ihr Leid:
    Wann gibt der Nordwind endlich nach -
    für Frühling wird es doch höchste Zeit!

  • Ein Haiku (G. Stein):

    Fast alles ist grau
    Durch ein Loch in den Wolken
    Strahlt Sonne aufs Meer


    Heimat (A. Eschner, Oberuckersee/Grünheide)

    Glaubst du, wo die Zitronen blühen
    Ist das Himmelreich?
    Denkst du, wo Orangen reifen
    ist der Garten Eden?
    Ich liebe das Korn, den Weizen,
    die harte Erde, die Distel.
    Ein Heim,
    spröde, voller Intensität.
    Ich will hier sein,
    leben zwischen Dornen der Rosen,
    Disteln, dem Korn.
    Will nicht nur Wärme fühlen,
    auch Kälte spüren.

  • mölln find ich till (L. Ehlen, Bäk)

    hier trägt der narr die halsschabracke,
    dreigespitzt mit glöck-chen-bim,
    stets geneigt zu schabernacken:
    wortgetreu! - mölln find ich till.

    jecken kenn ich, stamm aus aachen
    narr sein schafft dort symmetrie
    so mags hier wohl auch der fall sein
    jährig herrscht die schelmerie

    nenn sie nur: narren, schelme, jecken
    der narr verdankt dem ernste viel
    so alle freiheit: ihrer hecke
    humor durchwirkt des lebens spiel.

  • Ohne Titel (A. Gerstmeier, Aurich)

    man nehme
    grüngetränkte wiesen felder
    fließende wolken horizont
    dazu eine prise
    salzige meeresbrise
    fertig
    ostfriesland


    Vom Rost (Thüringer Originale, G. Lehmann, Berlin)

    Vieles hab ich in dem Land
    genossen
    doch nichts
    das Herz so arg bewegt
    wie Jene von Duft &
    Saft umflossen
    die mir die Heimat
    quer in den Magen legt.

  • Nachts auf dem Mordkuhlenberg in Damme (M. Meyer, Damme)

    Was schwebt denn dort im Mondenschein?
    Ein elfenzartes Wesen, engelrein.
    Um Mitternacht zur vollen Stunde,
    da macht es tanzend seine Runde.
    Umwoben von Licht und Glockenklang
    getragen von unsichtbarer, himmlischer Hand.

    Acht Räuber, angekettet, zu seinen Füßen,
    müssen für Raub und Kindesmord büßen.
    "Böse und schrecklich waren unsere Taten.
    Seit tausend Monden auf Erlösung wir warten.
    Hilf uns heut', oh holde Maid!
    Zu Sühne sind wir all' bereit!"

    Sie flehen weiter Jahr um Jahr.
    Vor solchen Räubern uns Gott bewahr'!

  • Strandspaziergang (M. Lippert, Melle)

    Strand, Wasser, weiter Blick, der Spaziergang.
    Alles fließt, alles ist im fluss.

    Strandspaziergang,
    ich fühle die Meerjungfrau in mir.

    Frei, alles fließt, alles im fluss.

    Das Meer hat den Zauber
    alle Dinge ins fließen zubringen.
    Ob bei Tag oder bei Nacht.

    Das Meer ist nicht wie die Erde vom Himmel getrennt.
    Immer bleiben sie zusammen
    und spielen mit den Farben, mit den Gezeiten.
    Ein Ort voller Kraft

    Wieder da (M. Lippert, Melle)

    Stunden warst du arbeiten,
    Endlich bist du zuhause.
    Jetzt strahlen unser beider Seelen.
    Du empfängst meine Seele ich die deine.

  • Frühlingserwachen im März (G. Gross, Eichelhardt)

    Der März der hat für uns so manches auf Lager,
    doch bisher war alles eher mager.
    Ich kann den Schnee jetzt nicht mehr seh'n
    und sage gern "Auf Wiederseh'n".

    Am Abend ist schon länger hell,
    ach lieber Frühling, komm doch schnell.
    Wir können's gar nicht mehr erwarten
    und säßen gern beim Kaffee im Garten.

    Lass Bäume, Sträucher und Blüten sprießen,
    wir wollen sie hegen, pflegen und gießen
    Dann steh'n sie bald in voller Pracht,
    das einem das Herz vor Freude lacht.

    Gegen Ende des Monats kommt die Stunde,
    da klaut man uns ne' Schlafesstunde.
    Dann heißt es früher aufzustehn
    und vergügt zur Arbeit geh'n.

  • Silvester östlich (A. Pristin, Barsinghausen)

    Die Luft riecht hier
    nach niemands Heimat

    Im Jahresabdruck
    geleerte Bäume
    und schwarze Häuserrücken
    von hinten aufgebleicht

    Aufgeschreckte Dohlen
    verstummt aus Angst
    schneiden die Nacht
    in zig Ellipsen

    Vor dem Fensterrahmen
    grellt die enge Landschaft
    ein aufgegebener Raum
    im Negativ der Kindheit
    fest eingestanzt

  • Hanstedt (I. Jebens, Hanstedt; Gedicht leicht gekürzt)

    Nach Hanstedt in der Heide
    da zieht's mich immer wieder,
    in Hanstedt in der Heide
    da sing ich meine Lieder.

    Seht wie die Schnucken grasen
    und ihre Lämmer springen.
    Hier gibt es auch noch Hasen
    und dann vor allen Dingen

    Zieh ich mir meine Stiefel an
    und wandere durch Wald und Flur,
    denn nur als stiller Wandersmann
    seh ich die Schönheit der Natur.

    Wenn endlich dann die Heide blüht,
    dann möchte ich ein Dichter sein,
    denn wenn man nur noch lila sieht
    ergeht man sich in Träumereien.

  • Mein Zuhause - meine Heimat (F. Broser, Rebenstorf)

    Ich liebe die Stille in meinem Haus.
    Wesen vergangener Zeiten
    streifen durch meine Räume.
    Sie suchen Vertrautes.
    Sie suchen auch mich.

    Manchmal schreckt mich ein leises Geräusch.
    Es sind noch immer die gleichen Tiere,
    die im Verborgenen - doch spürbar -
    mit mir das Haus bewohnen.

    Ich liebe die Stille am Feuer.
    Graue Flammenschatten
    huschen über mein Schreibpapier
    und lösen sich auf.
    Sie sind wie meine Gedanken.

    Raureif rings um mein Haus.
    Alles ist still.
    Doch lebendig.

  • Ohne Titel (U. Jürgens, Köln)

    Schau, Vollmond: Das Watt
    zieht seine Schaumdecke hoch
    an's Grasstoppelkinn

    (= ein Hallig-Haiku, entstanden auf Hooge)





    Frühling in Hamburg (E. Witt, Hamburg)


    troff vom gerade eben Grün
    das fahle Licht leckte halbherzig
    wurde aufgesogen von Wipfelschwämmen
    auf -
    und die Bäume stehen wohl vor dem satten Grau.

  • Kastanienblütenschnee (P. Janßen, Braunschweig)

    Ein Tunnel blühender Kastanienbäume.
    Leicht rollt der Wagen
    durch die grüne Dämmerung.

    Die weißen Kerzen, der sanfte Wind -
    und überall Kastanienblütenschnee.

    Am Ende der Allee
    springt plötzlich Sonne
    durch die Windschutzscheibe.



    Schlüsselerlebnis (N.N., Kronshagen)

    Tür ins Schloss
    Ruhe stillt
    Wärme erhält
    Denken atmet auf
    Ich bin.
    In den Lagern dich zu verstehen.

  • Flüchtlinge (N.N., Kronshagen)

    Ließen ihre Herzen
    in der Heimat. Brauchen unsere Herzen, um weiter
    leben zu können.

    Insel Hiddensee (A. Neuschäfer, Wiek auf Rügen)

    Stille atmend liegt vor Rügen
    Langgestreckt ein Stückchen Land
    Gern besucht; mit viel Vergnügen
    Schauen Hügel wir und Land

    Auf dem Dornbusch strahlt der Leuchtturm
    Durch Zeiten und Jahre, über Bodden und See
    Bei Stille und Nacht, bei Tag und bei Sturm
    Stillt Fernweh, stillt Heimweh

    Grüßt nicht nur den Gast
    Lädt ein zum Verweilen,
    Zum Genießen ohne Hast,
    Ruhe zu atmen, ganz ohne Eilen

    In ruhigem Wasser, bei rauer See Liegt unsere Insel Hiddensee

  • Die ungleichen Schwestern (I., Mizani, Timmendorfer Strand; Gedicht leicht gekürzt)

    Am rechten Rand vom Holstein - Land
    liegt unser Timmendorfer Strand.
    Hier trifft man sich, hier kauft man ein,
    hier möchte jeder "Jemand" sein.
    Auch ordert man nicht einfach "Fisch",
    es kommt stets "Sea-food" auf den Tisch.
    Vom "Strand" spricht man ganz fein und plietsch
    meist nur auf englisch, also "beach".

    Und ganz verträumt - doch nicht verschlafen -
    gleich nebenan der Niendorf - Hafen.
    Da ist zum Glück man bodenständig
    mit Fischerfrauen, flink und wendig.
    Man stillt gern seinen Hunger hier
    mit Fischbrötchen am Hafen - Pier,
    dazu ein frisch gezapftes Pils.
    Ich frag' dich, was du sonst noch willst ?

    Ich hoffe nur, dass er so bleibt,
    der Gegensatz der "Schwestern",
    dass man nicht "Sea-food-sale" bald schreibt,
    weil "Fischmarkt" ist von gestern.

  • Spaziergang am Meer (H. Jahnke, Tensfeld)

    Es ist ein Spiel, ein Kommen und ein Gehen,
    wenn kleine Wellen über Steine gleiten.
    Das Auge taucht in uferlose Weiten,
    dort löst sich blanker Unsinn von Verstehen.

    Gespiegelt wird das eigene Geschehen -
    am Meer vergisst man Unzulänglichkeiten,
    es ändern sich der Raum und auch die Zeiten,
    Gedanken werden mit dem Sand verwehen,

    so wie die Wolken über Meere segeln
    und Stürme weiße Möwen vor sich treiben:
    Das Wesentliche wird auf immer bleiben,
    auch wenn Gedanken durcheinander kegeln.

  • Mein Schwerin (B. Wichmann, Schwerin)

    Schwerin, wie bist Du wunderschön,
    mit Deinen Wäldern, Deinen Seen.
    Meine Heimatstadt zum Lieben
    Bist stets Du mir geblieben.

    Von Zippendorf bis Friedrichsthal
    Gefällst du mir vieltausend Mal.
    Alle Winkel, Deine Plätze
    Sind mir wahrlich große Schätze.

    Erhaben steht Dein Traumschloss da
    Am Alten Garten wunderbar.
    Auch das Theater ist im Norden
    Zu einer Attraktion geworden.

    Viele Leute aus nah und fern
    Gehen am Pfaffenteich sehr gern.
    Schwerin hat wunderschöne Ecken
    Braucht sich vor Hamburg nicht verstecken.

  • Meine Stadt (K. Rosin, Schwerin)

    Kein Smartphone kann sie mir ersetzen
    die Stadt die ich liebe und mag.
    Ich lebe nach ihren Gesetzen
    als Kind, deren Namen ich trag.

    In ihr da wuchs meine Geschichte
    da wurden die Jahre mir leicht.
    Wohin ich die Augen auch richte
    kein Blick je dem anderen gleicht.

    Geht Sehnsucht durch all ihre Gassen
    sind traute Gemäuer mir nah.
    Wenn auch ihre Farben verblassen
    seit ewiger Zeit sind sie da.

    Nie komme ich an ihr vorüber
    sie liegt ja direkt vor der Tür.
    Und wäre ich fort und käm wieder,
    dann sicherlich wieder zu ihr.

  • Frühling in der Heimat (S.U.M. Albrecht)

    Das Himmelsdach erstrahlt in klarem Blau.
    Die Wiesen stehen in einem satten Grün.
    Blumen recken sich der Sonne entgegen,
    Blühen in ihrer schönsten Pracht
    Und färben sich täglich bunter.
    Lieber Frühling, auf Deine Treue ist Verlass.
    Voll Freude, danken wir Dir, Herr, Du
    Schöpfer alles Lebens, für Deinen Segen,
    Und die Wunder der Natur.


    Heimat (S.U.M. Albrecht, Zweibrücken)

    Ob nun musikalisch interpretiert oder literarisch -
    Heimat im Taschenbuchformat -
    Das Vaterland und die Muttersprache sind das höchste Gut.
    Heimat ist in der Seele. Der Gedanke an Heimat tut immer wohl.

  • Mein Norden (B. Christophersen, Flensburg)

    Weites Meer und steter Morgen,
    Weiter Strand vertreibt die Sorgen,
    Weites Land - das ist der Norden mir geworden!

    Wer einmal den weiten Horizont erblickt,
    der ist für immer so entzückt,
    er kommt stets in den Norden zurück, zum Glück!

    Wenn andere hier nur Urlaub machen,
    darf ich jeden Tag hier neu erwachen,
    und das ist seit 25 Jahren so, ich bin so froh!

    Heimat hat (M. Lippert, Melle)

    Auf dem Balkon übersehe ich meinen Garten.
    Kirschbaum, Apfelbaum, mein kleines Paradies.
    Stille nur durchbrochen vom Vogelsberg.
    Der Mensch braucht eine Heimat.
    Ein Glück wer eine Heimat hat.
    Der Vogel kehrt zurück in meinen Garten.
    Baut sein Nest.
    Hier bin ich zuhause.

  • An der Ostsee (von A, Spiethoff, Westerholz)

    Nur wer die Weite gelten lässt,
    wird Weite auch in sich verspüren,
    nur wer die Stille atmen lässt,
    wird je das Göttliche berühren.

    Nur wer der Seele Spielraum gibt,
    wird schonend sie entfalten,
    nur wer den Glanz des Meeres liebt,
    wird sich lebendig halten.


    Ohne Titel (von Margarita Heyn, Buchholz)

    Himmel zeig mir Deine Sterne
    und laß mir leuchten aus der Ferne
    ein heimatliches Licht
    mehr erbitt ich nicht.

  • Ohne Titel (von Johannes Müller, Wien)

    solang die wiener amseln singen in meinem müden wiener park
    solang die kellner topfenknödel bringen und nicht mit sahne
    und schon keinesfalls mit quark
    solang du sagst komm näher - lass dich spüren
    solang du sagst hey oida - lass das fliehn
    solang wir uns im finden stets verlieren
    solang schon lieb ich dich - du wien

  • Sehnsucht von D. Westphal, Winsen

    Trage mich ruhloser Wind
    zu meiner Insel im nördlichen Meer
    wo das Salz in den Wiesen blüht
    ufern die Farben des Himmels.

    Hebe mich fröhlicher Wind
    in die Wolken der wandernden Vögel
    wo der Sand durch die Dünen weht
    nisten die wilden Rosen.

    Ziehe mich zärtlicher Wind
    in das Watt in die nährende Weite
    wo die Wogen dem Mond gehören
    flutet das sprühende Licht.

    Wirf mich fordernder Wind
    auf das harte sandwarme Bett
    wenn Brandung die Sterne entzündet
    atme ich wieder.

  • Juist (von M. Thöle, Montabaur)

    Juist Verträumte Insel am Nordseestrand,
    die Wogen des Meeres rollen auf das Land,
    im ewigen Wechsel Ebbe und Flut,
    ach wie tut die Luft hier so gut.
    Weiß ist der Sand und grün die Natur,
    die Wolken unendlich weit,
    die Stille genießen, auf`s Auto verzichten
    sind die Menschen hier bereit.
    Pferde grasen auf den Wiesen,
    vor Kutschen gespannt, ziehen die Last,
    sie dienen den Menschen, wie vor alten Zeiten,
    mit all ihrer Liebe und Kraft. Vogelschwärme ziehen ihre Bahn,
    der Möwen schriller Ruf,
    ansonsten alles friedlich und still,
    auf der schönen Insel Juist.

  • Ein Jahr mit der Ostsee (von J. Gube, Lensahn)

    Sommer

    Ostseestrandmorgen,
    sandgelb, tiefblau und azur.
    Dünengras im Wind.

    Sommerglück, so nah
    auf Inseln am Ostseestrand
    Wasser. Sonne. Sein.

    Herbst
    Weiß segeln Wolken
    Pappeln rauschen im Salzwind
    ostseekühler Tag.
    Strandabendpastell -
    Schäfchenwolken. Silbermond.
    Salzduftend die Luft.

    Winter
    Hoher Wintermond
    fahl-bleich glitzernd auf dem Meer.
    Ostwind, so eisig.
    Weiße Dünung rollt
    unermüdlich an den Strand
    Wintersonnengischt

    Frühling
    Vorsichtiges Blau
    den hellen Himmel spiegelnd
    Ostseemärzenshauch

  • Gedicht von H. Petersen, Eckernförde

    Das Land ist flach, das Wetter rauh,
    der Himmel viele Tage grau;
    Der Sommer kurz, der Winter lang,
    da liegt die Psyche manchmal blank.

    Wer hier geboren - so wie ich,
    kann damit um, manch andrer nich.
    Kühl soll'n wir sein, wird nachgesagt,
    stimmt gar nicht, wenn man mich mal fragt.

    Die Menschen hier sind herzlich warm
    und auch an Sprachwitz gar nicht arm.
    Einmal im Herzen eingezogen,
    wird Freundschaft hier in Gold gewogen.

    Der Wortschatz, der ist unermesslich,
    gehütet, kaum verbraucht er sich.
    Man spart viel Sätze und kann sich freun,
    gesagt ist Alles mit Moin Moin.

  • Frühling in Mecklenburg (von S. Kappes, Rostock)

    Aprilflimmernde Wiesen-
    sich räkelnd in kuppiger Weite,
    zeigen ihr braunes Wintergewand-
    versteckt noch gestern im weißen Kleide.

    Endlich hat sich der Frühling entschieden.
    Er leckt sich über Felder und Wiesen.
    Legt frei, was in wenigen Wochen,
    wie schon vor ewigen Zeiten versprochen,
    in saftigem Grün uns erstrahlt und erquickt.

    Keimende Saaten, erblühende Knospen-
    kleine Explosionen in Grün, Gelb, Rosa und Weiß.
    So erfüllt sich mein lange zurückgehaltenes Sehnen.
    Es tost und blitzt der erfrorene Geist.

  • Nordlichter-Lied (von J. Amthor, Bothel)

    Wo der Weser Wellen nähern sich dem Meer
    und kein Almkuh-Schellen jemals drang hierher,
    weil in flache Breiten sich das Land ergießt -
    und auf trocknen Heiden nur Wacholder sprießt.

    Wo durch Windes Grimme sich die Birke biegt -
    und die kleine Wümme in das Moor sich schmiegt,
    wo des Hauses Gauben unter Eichen kauern
    und des Jägers Augen von dem Hochsitz lauern.

    (Auf den Hirsch, den Eber und des Damwilds Kuh, während seine Leber spricht dem Kornbrannt zu...)

    Blond sind ihre Kinder, dunkel ist die Tracht,
    schwarzbunt sind die Rinder, wie die halbe Nacht.
    Wenn des Mondes Glanze übers Moor hier steigt -
    zu des Irrlichts Tanze ein Klabauter geigt!

    Hier sind wir geblieben! Wer als Nordlicht flackert -
    muss die Landschaft lieben, wo die Graugans gackert!

  • Ohne Titel (von G. Pagels, Leipzig)

    Er fuhr auf einem Muschelkutter
    und träumt von seiner Kuschelmutter.


    Mit der Fähre nach Amrum (von R. Geise, Hannover)

    Ein Platz an der Reling, die Bank ganz alleine
    die Augen geschlossen, es baumeln die Beine
    Plätschernde Wellen unter den Füßen
    Entspannte Menschen genießen stumm
    Ein Segelboot, Passagiere grüßen
    Gischt schäumt aus dem Motorengebrumm
    Wind bügelt Wellen im Knitterlook glatt
    An Bord macht Kartoffelsuppe mit Krabben satt
    Belebender Wind im Sonnenschein
    Schöner kann keine Überfahrt sein
    Unzähl'ge Sonnenglitzersterne
    regnen aus der Himmelsferne
    und zaubern Sommersprossen auf die Nase
    Die Fähre schwenkt auf die Glitzerstraße
    Fährt weiter im gleißenden Sonnenlicht
    Fischgeruch, Aufbruchstimmung, Amrum in Sicht!

  • Jahrhundertflut 2002 (von R. Geise, Hannover)

    Wegen der Jahrhundertflut
    war die Anfahrt dieses Jahr
    wie wohl zu erwarten war
    Leider doch nicht ganz so gut
    Überflutete Flächen, ein Bild des Grauens, Frust
    Ein alter Ersatzzug, kein Speisewagen, Ludwigslust
    Zu beiden Seiten Containermassen
    Der Abfallhof kann kaum die Müllberge fassen
    Ein Hubschrauber sondiert das Gelände
    Betroffene Menschen sind dankbar für jede Spende.
    Mit der Fähre nach Amrum die Überfahrt
    Ist dann glücklicherweise nicht mehr so hart.

  • Alsterdämmerung (von S. Wegner, Hamburg)

    So wie die Schiffe wiegen
    sich ruhig im jungen Morgen
    auch unsere Sorgen liegen
    im Schlafe still verborgen.

    Durch die Schweigsamkeit der Luft
    nur einsam Möwen schreien
    so wie dich meine Sehnsucht ruft
    und will mein Herz befreien.

    Die Weiden zärtlich streifen
    des Wassers klare Kühle
    und ziehen Reif um Reifen
    wie du auf meiner Seele.

  • Waattenmeer (von U. Menck, Bremen)

    Um sie Dünen, Sand und Schlick
    Fern verebbt das Meer
    Und am klaren Himmelsrund
    Segeln Wolkentupfer schwer.

    Weite lässt die Blicke schweifen
    Endlos und gedankenfrei
    Sickerblasen singen heiser
    Eine alte Litanei.

    Möwen seltsam sanft und leise
    Über ihren Häuptern kreisen
    Und im Dünengrasgewoge
    Hören sie vertraute Weisen.

    Mit dem Salzgeschmack im Munde
    Und der Sonne Abendschein –
    Schnell vergeht so eine Stunde
    Könnte sie doch ewig sein.


  • Walpurgisnacht (von R. Geise, Hannover)

    Heute ist Walpurgisnacht, das Hexenvolk es tobt und lacht
    Jede Hex ob groß ob klein will unbedingt am Bloxberg sein
    Sogar die eitle Hexe Rose zückt ihre rote Puderdose
    Ölt ihren Reisigbesen schnell damit ja pünktlich sie zur Stell

    Das sieht die kleine Hexe Rick
    Ein Sprung, ein Schrei, ein kurzer Blick
    Schürzt die Röcke und die Hose
    Schwupp, schon sitzt sie hinter Rose

    Die ruft ganz erschrocken: Nein,
    Was fällt dir ein, das laß mal sein
    Benütze deinen eignen Besen
    Ich will heut alleine pesen

    Doch Ricki sitzt schon hinten drauf
    Und stört schert sich nicht um das Hör-auf
    Sie hat noch keinen eignen Besen
    Und wär' so gern dabei gewesen

  • Nach(t)gedanken (von R. Küppers, Kamen)

    Denk' ich an Heine in der Nacht
    weiß' ich, es hat fast nichts gebracht:
    Wer denkt und schreibt und das extrem,
    der lebt auch heut' nicht angenehm.
    Als ich noch weilt, wie vordem einst Heine,
    in dieser Großstadt am Altvater Rheine,
    da hörte ich kaum einen freundlichen Ton
    über ihren inzwischen gefeierten Sohn.
    Wie kommt es nur, daß über Nacht
    soviele wohlwollend an Heine gedacht?
    Doch mir ist es gleich -ich mag nicht den Rummel
    der überall um ihn gemacht.
    Bleib lieber alleine mit Worten die SEINE -
    manchmal auch in schlafloser Nacht.

  • Eiderland im März (von R. Szews, Wedel)

    Auf der Straße pickten Hühner
    und ließen mich nicht vorüber
    fahren.

    Ich scheuchte "schsch" den Hahn,
    da gackerten mich alle Hühner an.

    Ich scheuchte "schsch" die Hühner,
    da schrie der Bauer: "Eh, Sie da ..."

    Ins Auto hockte ich mich verzagt,
    vom Hof watschelte eine fette Magd
    und gurrte mit reichlich blödem Blick
    alle Hühner auf den Misthaufen zurück.

    Erst wollte ich auch noch "Danke" sagen -
    bin aber dann einfach weiter gefahren
    im Eiderland.

  • Wetter im Wohnzimmersessel (von R. Szews, Wedel)

    Wolken, Wind und Regen, unserm Wetter
    ist alle Lust geschwunden.
    Hochdruck, Tiefs und Schwüle - nur Gezeter
    auf Klimagipfelrunden -
    kommt der Wandel morgen? Oder später?
    Ist der Mensch damit verbunden?

    Winter, Herbst und so weiter, unsren Jahren
    ist ihre Zeit vergangen.
    Sturmtiefs, Flut und Hitze - all die Plagen!
    Fernsehwelten bangen,
    Wetterkarten spielen Quotenjagen -
    Bauts - der PC ist aufgehangen.

    Das Wetter hat sich einfach ausgeklinkt
    und wieder mit dem lieben Gott verlinkt.

  • Gedicht von H, Lorenz, Uelzen

    Die Kirche im Dorf gelassen
    dort auch das Schützenfest
    Woanders
    blühten rotere Rosen.


    Im Wendland (von H. Lorenz, Uelzen)

    Fliegende Schwäne schlagen
    Löcher in Himmelsgrau

    als hätten sie alles Licht
    des kommenden Sommers
    schon zu vergeben

    zuzuteilen
    mit kräftigem Flügelschlag


    Gedicht von Hubert Lorenz, Uelzen

    Die Fahrt zum Mittelmeer ist die Rückkehr
    in eine Heimat,
    von der ich nicht wusste,
    sie je verloren zu haben.

  • Norddeutsche Kleinstadt (von H. Lorenz, Uelzen)

    Blühende Bäume werfen
    ihre Farben über
    die Zäune grenzenlos.

    Der Vorstand der Klein-
    Gärtner teilte uns mit:
    zu viele Fremdpflanzen seien
    in uns’rer Hecke.

    O welch ein Wort!
    Gewähren wir also Asyl.

  • Gedicht von S. Lindström-Makowski, Hamburg

    Hamburg, Hafen, Parks und Elbe,
    jeden Tag was Neues, nie dasselbe,
    Nach Finkenwerder mit dem "Bügeleisen",
    ein Hafenpanorama wie bei tollen Reisen.
    Vorbei an Findling, Strand und Villen,
    ein Blick so schön wie durch rosa Brillen,
    Raakmoor, Baurs Park und der Hirschpark,
    Wittmoor, Deiche, Dünen, Stadtpark,
    Gärten, Grünes, Sonne, Regen,
    viel Platz zum Schauen, sich bewegen.
    Schöne Geschäfte, Glamour, Glitter,
    Ernstes, Praktischen und Flitter,
    Fleete, Bäche, Fluss und Strom.
    Der Winter- und der Sommerdom.
    Mit der U-Bahn durch die Stadt,
    da hört man vieles, Hoch und Platt..

  • Gedicht von R. Brodhun, Sessen

    Eichsfeld
    Heimat
    Katholisch
    Burgen, Berge, barocke Kirchen.
    Arme gefasste Menschen,
    Mit Kasten und Kisten auf
    In die Fremde.
    So lange Zeit
    Getrennt, zerrissen, entfremdet
    Und jetzt vereint.
    Noch immer betende
    Großmütter Beim Angelusläuten.

  • Heimat (von U. Hans Wiese, Glücksburg)

    Deiche, die nicht halten,
    Fluten, die gestalten
    den Saum des Meeres, nah.
    Grau ist, was die Seelen wärmet,
    Gott sich unserer erbärmet
    mit Stürmen, fürderwahr. -
    Die Liebe gibt die Kraft
    zur Treu´ zu diesem Ort.
    Der Kindheit zages Bangen
    lebt hier im Herzen fort.-
    Sag mir, wo willst Du sterben?
    An Ufern fern von hier?
    Nein.- Laß mich heimwärts ziehen,
    in Gottes Schoß, zu Dir. -

  • Gedicht von F. Meier, Rinteln

    Lass uns tanzen auf den Wiesen
    Wir sind Mondschein im Morgentau
    Nicht tot nicht lebendig sein
    Der feine Streifen Silber
    Zwischen den Dingen
    Der Wind singt den Blättern ein Lied
    Über Enden im Himmel und Haltestellen
    Das hier niemand versteht
    Wir sind schon lange tot und tanzen
    Nichtmehr auf Wiesen
    Schon lange tanzen wir auf der Strasse

  • Gedicht von U. Gerg, Lenggries

    Mien Heimaad dat is Eckernför
    Dorum kumm ick jümmer wedder her
    De störmruge Luft, dat wiede Land
    De Well'n de Möwen un de Strand
    Dat mokt mien Hart so wiet


    Gedicht von P. Huberts, Heiligenhafen

    Das Meer belohnt mit seinen Schätzen nur die,
    die geduldig, nicht gierig und nicht beflissen sind.
    Bleibe leer, passiv und offen.
    Und das Meer wird Dir alles schenken.
    Einfach so!

  • Spätes Wiedersehen (von G. Latsch, Bad Zwischenahn)

    Am Ende unserer Straße begann der Wald,
    wo wir uns trafen, weißt du noch!
    Dort wollte ich dich wiedersehen -
    nach einer langen Zeit.
    Kathrin, was ist geschehen!
    Ich weiß nicht, wo der Wald geblieben ist.
    Da ist ein Häusermeer, und nirgendwo ein Baum.
    Was hat der Wald dazu gesagt?
    Hat man den Wald gefragt? Du weißt es nicht.

    Wie kann das sein!
    Warum zerstört man die Erinnerung!
    Wir waren beide viel zu lange fort...
    Wo finden wir noch einen Ort,
    der uns zurückbringt in die alte Zeit?
    Kathrin, ich warte hier auf dich.

  • Gedicht von G. Neuhann, Hamburg

    Hein vom alten Fatzenkutter,
    beladen voll mit Katzenfutter,
    ist leider nicht mehr seetüchtig,
    stattdessen Rum-mit-Tee-süchtig.

    Bei ziemlich schlappem Seegang
    und herrlich schiefem Gesang
    denkt Hein, er führt ein Raumschiff
    schlingernd durchs wabernde Schaumriff.

    Statt immer nur am Bug zu fluchen
    träumt er davon 'nen Flug zu buchen.
    Endlich mal die Koffer packen
    und Poffer auf den Kutter kacken!!

  • Mein Kaukasus (von M. Tarkovzadeh-Asselmeyer, Soderstorf)

    Ich war noch ein Kind, als ich von euch schied,
    Ihr südlichen Berge! - Doch wer euch gekannt,
    Behält euch im Herzen so wie ein Lied,
    Ein Lied von der Heimat, vom Vaterland. Mein Kaukasus, du meine Liebe!
    Ein Kind war ich als ich die Mutter verlor.
    Doch klingt mir noch heut, wenn der Abend naht,
    Der Widerhall ihrer Stimme ins Ohr,
    Als rufe mich zu deiner Gipfel Grat, mein Kaukasus, du meine Liebe.
    Ihr Felsen, ihr Schluchten, wie glücklich ich war,
    Mit euch, und ich sehne mich nun zurück
    Nach jenem göttlichen Augenpaar,
    Nach ihrem mein Herz beglückendem Blick....Mein Kaukasus, du meine Liebe!

  • Was tut der Mensch im Frühling für die Natur (von B. Nitschke, Hannover)

    Natur ist stark sie wächst allein,
    doch gerne greifen wir mit ein,
    damit sich steigert der Ertrag,
    den der Mensch sehr nötig hat.

    Wir lockern den Boden, bringen Dünger hinein,
    jäten und pflanzen, streuen Samen hinein,
    lichten die Stauden vom trocknen Geäst,
    sorgen für Wasser, damit alles gut wächst.

    Wer schafft dem Feld sein geordnetes Kleid,
    allen zur Freude, wenn es wächst und gedeiht?
    Der Landwirt ist es, durch Fleiß und sein Wissen
    sorgt für uns mit, wir´s ihm danken müssen.

    Sonntags früh beim Spazierengehen,
    können wir ihn schon drillen sehen!
    Das zu bemerken der Mensch oft vergisst,
    weil´s ihm schon lange Gewohnheit ist

  • Gedicht von J. Rösch-Brassnovan, Hannover

    Morgens auf Westerhever Sand,
    nah beim Leuchtturm
    genießt man den schönen Strand
    Im Cabrio geht es etwas später
    weiter nach Sankt Ordings Peter,
    rechts und links ein Graben
    tiefenentspanntes Autofahren,
    auf den Deichen Schafe grasen
    während Wolken über den Himmel
    rasen
    Abends nach Tönning,
    Fische und Garnelen essen,
    so lassen sich Fake News
    und mächtige Idioten vergessen

  • Minerva von H.-S. Krausz, Hamburg

    Schöne Frau mit straffem Busen
    Steht dort nur und schaut
    Sieht Verliebte etwas schmusen
    Trunkenbolde laut
    Steht dort auf dem leeren Brunnen
    Blickt von dort zum Hafen
    Schiffe fahren auf- und abwärts
    keine Zeit zu schlafen
    Sieht die Sonne sieht den Regen
    Wartet wohl - auf wen
    Möglich dass ein nicht ganz treuer
    Seemann sie ließ stehn

  • Wege am Kloster Wülfinghausen (von H.-W. Herbst, Hannover)

    Ein verwehter Hahnenschrei
    der Klang der Morgenglocke
    fußfern streunt der Blick

    zwischen goldgelbem Ahorn
    und rostigschwarzem Kastanienlaub
    geht der Weg zwischen Kopfweiden

    an schwankende Stengel klammern
    sich nachblühende Sonnenblumen
    in Nebelfäden eingesponnen

    leichter Wind kühlt die Ohren
    angefüllt mit dem Südschrei ziehender Vögel
    stummes Lobgespräch sehnt Frieden


  • Gedicht von E. I. Kraneis, Eckernförde


    Am Fluss
    Silbern glänzen Watt und Eider,
    Horizont blaßlilablau,
    feiner Dunst wie matte Seide
    spinnwebdünn. In mildem Grau
    liegt das Ufer gegenüber,
    weit entfernt und greifbar nah.
    Hoch und hell der Himmel drüber -
    ohne Grenzen wandelbar.


    Gedicht von H. Holubetz, Hannover

    Als ich die Spinnweb´ sah mit Achtung,
    da macht´ ich eine Herbstbetrachtung:

    Die Spinne ihre Netze webt,
    und Fäden aneinander klebt -
    ein wunderschönes Meisterwerk -
    viel größer, als so mancher Berg.

    Wer solche Tiere leiden mag
    und sie nicht ansieht' als ein Plag',
    erkennt das Große in dem Kleinen -
    ist wahrer Mensch unter den Seinen.

  • Abendnebel von U. Becker, Schwerinsdorf

    Abendnebel, erscheinst so spät,
    legst Schimmer auf den einsamen Weg.
    Die Ruhe trägst du über Land,
    der Rauch der Zigarette schließt das Band.
    Ich schreite Abends noch so spät,
    kein Mensch mehr auf dem Felde steht,
    und in Gedanken tief versunken,
    vergeht die Zeit,
    still für Stunden.

  • Heimatlos von Marion Hinz, Stockelsdorf

    Heimatlos
    in der Liebe
    gestrandet
    am Saum
    des Berges
    in der Nacht

    schwarzer Bergmantel
    mondscheinbeschienen
    aufgereiht zur Perlenkette
    die Lichter der Häuser
    und funkelnde Sterne

    wellt sich der Berg zum Meer
    hier am Saum bin ich zu Haus
    hier im Sand in der Muschel
    im Klang deiner Stimme
    im Rausch der Nacht

  • Gedicht von I. Elbrecht, Eschwege

    Kennst Du das Land, wo die Kirschen blühen?
    es ist das Land an der Werra
    auf unserer schönen terra,
    es ist das Land, wo Frau Holle zu Hause ist.
    Unsere wunderbare Natur
    ist wie eine Schönheitskur.
    Unsere Städte, Literatur,
    Musik und Kunst und liebe Leute
    machen meinen Alltag reich und weit und bunt.

    Gern mache ich Halt
    in Sachsen und im schwarzen Wald,
    bade in Nord- und Ostsee und im Bodensee,
    damit vergehe jegliches Weh.

    All das ist Poesie für mich und mehr
    im schönen Werratal, wo die Kirschen blühen,
    es bleibt meine Wahl.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 21.03.2017 | 08:23 Uhr

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