die nordstory - Inselgeschichten

Dienstag, 13. Juni 2017, 15:00 bis 16:00 Uhr

Der einsamste Job im Wattenmeer © © NDR/Arndt Deecke, honorarfrei

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Das Aussetzen auf einer einsamen Insel soll ja für Meuterer und Seeräuber früher die Höchststrafe gewesen sein. Für Björn Marten Phillips hingegen war es ein langgehegter Wunsch-Traum. Für sieben Monate hat sich der Flensburger Biologie-Student von Eltern, Freundin und Freunden verabschiedet und sich zur Vogelinsel Trischen übersetzen lassen. Im Auftrag des Nabu arbeitet er dort als Vogelwart, mutterseelenallein, denn das Betreten der Insel ist für andere verboten.

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Für sieben Monate das Zuhause des Vogelwarts: die Vogelinsel Trischen.

Nur einmal in der Woche bekommt er kurz Besuch. Axel Rohwedder ist der einzige, den er in dieser Zeit regelmäßig zu Gesicht bekommt. Er ist der Trischenversorger und bringt immer sonnabends die Verpflegung für eine Woche. Dann haben beide etwas Zeit, denn Axel muss sein Boot vor Trischen bei Ebbe trocken fallen lassen und 10 Stunden warten, bis es die Flut ihn wieder freispült. Und dann ist der Vogelwart wieder allein und tut das, was den jungen Mann an seinem einsamen Job so reizt: In jeder Sekunde die grandiose Natur an diesem einzigartigen Ort zu genießen.

Schlange stehen beim Inselboten

Norderney ist dagegen eine quirlige Insel. Doch bei allen Unterschieden - eines verbindet alle Insulaner: Es gibt bei ihnen weder einen Schuster, noch einen Garten- oder Baumarkt, kein Möbelhaus, kein Reformhaus und auch kein frisches Biogemüse. Für eine neue Matratze oder neue Sohlen für die Winterstiefel müssten die Bewohner mit der Fähre nach Norddeich reisen - ein teures und vor allem zeitaufwändiges Vergnügen. Aus diesem Grund stehen die Insulaner nachmittags beim Inselboten Schlange, denn er fährt für sie aufs Festland und übernimmt Besorgungen. Werner Weber ist dafür den ganzen Tag unterwegs und muss zum Feierabend erzählen, was es auf dem Festland Neues gegeben hat.

Bei Bert und Bert auf der Ostseeinsel Ummanz dreht sich alles um Haflinger. Die Beiden sind die wohl berühmtesten Bartträger des Eilandes. Norbert Briesemeister ist der "Urvater" der Ummanzer Haflingerzucht. Berthold Eichhorn verlor sein Herz an die Kleinpferde während eines Urlaubs vor über zehn Jahren. 30 Tiere haben die beiden noch im Stall und im Dezember kommen die Fohlen zur Welt. Für Bert und Bert immer noch ganz besondere Tage. Neun Stuten sind derzeit tragend, und laut Schwangerschaftsbuch sollen die kleinen Pferde innerhalb von fünf Tagen auf die Welt kommen.

Neuwerk im Dornröschenschlaf

Ende Oktober fährt die Fähre von Cuxhaven zum letzten Mal. Dann macht die Insel zu: Neuwerk, ein knapp vier Quadratkilometer großes Stück Hamburg, ein Vorposten in der Elbmündung, zehn Kilometer vor der Küste. Bis März bleiben die knapp 40 Neuwerker jetzt unter sich: Ungemütlicher wird das Wetter, rauer, unberechenbarer die Nordsee hinter Deich und Watt, aber die Neuwerker sind trotzdem draußen, weil ein Frachter unweit Container verloren hat und auf einmal Dinge am Spülsaum liegen, die man bestimmt gebrauchen kann. Weil die Priele plötzlich vereist sind, und die Schlittschuhe noch passen. Weil die Gänse gefüttert werden müssen, weil Mist gefahren werden muss. Und wenn doch mal Nahrungsmittelnachschub vom Festland geholt werden muss. Ein Leben, das es so kein zweites Mal im Norden gibt. Bis im April die erste Fähre anlegt und das Dornröschen unter den Nordseeinseln aus seinem Schlaf weckt.

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